• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Nachrichten Politik

Rassisten-Demo In Charlottesville: Nach tödlicher Gewalt Kritik an lascher Reaktion von Trump

13.08.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-08-17T05:04:16Z 280 158

Rassisten-Demo In Charlottesville:
Nach tödlicher Gewalt Kritik an lascher Reaktion von Trump

CharlottesvilleNach der Eskalation der Gewalt bei einer Demonstration von Rechtsextremen in einer US-Kleinstadt wird Kritik an US-Präsident Donald Trump laut. Politiker beider Parteien forderten ihn auf, deutliche Worte gegen die mutmaßlichen Verursacher der Gewalt vom Samstag zu finden. Unter anderem war ein Autofahrer in friedliche Gegendemonstranten der Ultrarechten gerast - eine 32-jährige Frau starb und Dutzende weitere wurden verletzt. Zudem stürzte ein Polizei-Hubschrauber in der Nähe der Proteste ab und riss zwei weitere Menschen in den Tod.

Der Helikopter war für die Polizei im US-Staat Virginia im Einsatz, um bei der Beobachtung während der Versammlung von Ultrarechten in der Stadt Charlottesville zu helfen und für Sicherheit zu sorgen. Bei den Toten handelte es sich um den Piloten und eine Einsatzkraft, sagte eine Polizeisprecherin.

Stunden zuvor war laut Polizei ein 20-Jähriger Mann aus dem US-Staat Ohio in eine Menschenmenge gerast. Diese hatte friedlich gegen den Aufmarsch der Nationalisten demonstriert.

Die Polizei nahm den Mann später fest und beschuldigte ihn eines Tötungsdelikts sowie der böswilligen Körperverletzung in drei Fällen. „Böswillig“ bedeutet, dass es sich um eine Tat mit Absicht und in vollem Bewusstsein handelt - und nicht im Affekt. Das FBI leitete Ermittlungen wegen eines möglichen Hassverbrechens ein.

Tweet der Stadt Charlottesville

Präsident Donald Trump verurteilte die „ungeheuerliche Gewalt, von vielen Seiten“. Es gebe in Amerika „keinen Platz“ für Gewaltausbrüche wie den in Charlottesville, sagte er bei einem Auftritt in Bedminster (New Jersey), wo er derzeit einen Arbeitsurlaub verbringt. Er rief seine Landsleute dazu auf, zusammenzustehen und einander - ungeachtet aller Differenzen - „zu lieben“. Trump versprach eine „rasche Wiederherstellung von Recht und Ordnung“ - „kein Bürger sollte sich Sorgen um seine Sicherheit machen müssen“, fügte er hinzu.

Kommentatoren in verschiedenen Fernsehsendungen äußerten scharfe Kritik an der nach ihrer Ansicht nach laschen Reaktion des Präsidenten, dessen Wahl in rechtsextremen Kreisen bejubelt worden war. Kritiker haben Trump bereits in der Vergangenheit angelastet, sich nicht genügend von den Rechten distanziert zu haben.

Notiert wurde auch, dass sich Trump am Samstag überhaupt erstmals - via Twitter - zur Gewalt in Charlottesville äußerte, nachdem Dutzende andere Politiker auch aus republikanischen Kreisen sie bereits stark verurteilt hatten. Dazu zählten der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, sowie die prominenten Senatoren Marco Rubio und Orrin Hatch.

Auch der demokratische Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, richtete eine äußerst scharf formulierte Botschaft an die Rechtsextremisten. „Ihr seid hier nicht willkommen“, sagte er auf einer Pressekonferenz. „Geht nach Hause. Nehmt euren Hass und eure Vorurteile mit. Es gibt hier keinen Platz für euch, und es gibt keinen Platz für euch in Amerika.“

US-Justizminister Jeff Sessions verurteilte die Tat: „Die Gewalt und die Toten in Charlottesville treffen das Herz der amerikanischen Justiz und Gerechtigkeit.“ Wenn Handlungen aus rassistischen Motiven und Hass verübt würden, könne das nicht toleriert werden. „Sie verraten unsere zentralen Werte.“

Bei dem Zusammenstoß mit dem Auto gab es laut Polizei 19 Verletzte. Insgesamt mussten 35 verletzte Patienten im Krankenhaus behandelt werden. Die Gewalt hatte bereits am Freitagabend in Charlottesville begonnen. Am Samstagmorgen bewarfen sich Hunderte Menschen mit Wasserflaschen und attackierten sich mit chemischen Sprays.

Bei dem Aufmarsch handelte es sich vermutlich um die größte Gruppe von protestierenden Rechtsextremisten in einem Jahrzehnt. Anlass für die Demonstration der Nationalisten ist die Entfernung einer Statue des Konföderationsgenerals Robert E. Lee durch die Stadt Charlottesville. Die Behörden rechneten mit bis zu 6000 Teilnehmern und Gegendemonstranten. Der Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, rief nach der Eskalation der Gewalt den Notstand aus.

Der rechte Blogger Jason Kessler hatte zu einer nach seinen Worten „proweißen“ Kundgebung aufgerufen. Neben dem Anführer der Rechtsaußen-Bewegung Alt-Right, Richard Spencer, nahm auch das frühere Ku-Klux-Klan-Mitglied David Duke teil. Dieser sagte Reportern, weiße Nationalisten arbeiteten daran, die „Versprechen von Donald Trump zu erfüllen“.

Spencer wies eine mögliche Verantwortung für die Auseinandersetzungen zurück. Der Nachrichtenagentur AP sagte er, das sei, wie „die Schuld für ein Feuer bei der Feuerwehr zu suchen“. Im Laufe des Tages sei er zweimal mit Pfefferspray angegriffen worden.

Der US-Präsident verurteilte die Zusammenstöße. Es handele sich um eine „unerhörte Zurschaustellung von Hass, Engstirnigkeit und Gewalt auf vielen Seiten“. Trump forderte „eine schnelle Wiederherstellung von Recht und Ordnung und den Schutz von unschuldigen Leben“.

Trumps Bemerkung, es handele sich um eine „unerhörte Zurschaustellung von Hass, Engstirnigkeit und Gewalt auf vielen Seiten“ erntete Kritik unter republikanischen und demokratischen Politikern. Senator Orrin Hatch sagte, das Böse müsse beim Namen genannt werden. „Mein Bruder gab sein Leben nicht im Kampf gegen Hitler, damit Nazi-Ideen hier zu Hause unangefochten stehen können“, so der Republikaner.

Der demokratische Justizminister von Virginia, Mark Herring, stellte klar, Gewalt, Chaos und der Verlust von Leben in Charlottesville seien aus seiner Sicht nicht die Schuld „vieler Seiten“. Vielmehr seien Rassisten verantwortlich.

Und der Bürgermeister von Charlottesville, Michael Signer, suchte die Schuld direkt in Washington: „Ich lege die Verantwortung für vieles, was Sie heute in Amerika sehen, direkt vor die Haustür des Weißen Hauses und Menschen um den Präsidenten.“ Er warf Trump vor, mit seinem Wahlkampf im vergangenen Jahr rassistische Vorurteile geschürt zu haben. Bei der Demonstration beriefen sich einige der weißen Nationlisten auf Trumps Wahlsieg als Bestätigung für ihre Einstellungen.

Weitere Nachrichten:

Ku-Klux-Klan | Polizei | FBI | Twitter | Feuerwehr