Peking - Die chinesischen Behörden haben 17 Aktivisten wegen ihres Gedenkens an die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 festgenommen. Genau einen Monat nach dem 25. Jahrestag am 4. Juni wurde gegen sieben von ihnen sogar Haftbefehl wegen Unruhestiftung erhoben, wie der amerikanische Sender Radio Free Asia (RFA) und die Menschenrechtsorganisation Chinese Human Rights Defenders (CHRD) am Samstag berichteten.

Unter ihnen seien fünf Aktivisten, die am Jahrestag in der Stadt Zhengzhou in Zentralchina eine öffentliche Aktion zu Erinnerung an die Opfer des Massakers abgehalten hatten. Außerdem würden zwei ihrer Anwälte formell in Haft gehalten. Die Tochter des Anwalts Chang Boyang bestätigte dem US-Sender, dass die Polizei die sieben nach eigenen Angaben verhaftet habe und strafrechtliche Verfahren liefen. „Es ist eine Schande. Sie sind alle unschuldig.“

In Deutschland haben unterdessen die Exil-Uiguren haben an Kanzlerin Angela Merkel appelliert, bei ihren Gesprächen in Peking auch das Schicksal der muslimischen Minderheit in der Unruheregion Xinjiang anzusprechen. In einem Samstag veröffentlichten offenen Brief an die Kanzlerin schrieb die Vorsitzende des Weltkongresses der Uiguren, Rebiya Kadeer: „Die vergangenen zwei Jahre haben eine Zunahme der Gewalt und ein noch härteres Durchgreifen der Chinesen in der Region erlebt.“

Das Turkvolk falle zunehmender Unterdrückung zum Opfer. Zahlreiche Uiguren würden festgenommen und ohne Gerichtsverfahren unbegrenzt festgehalten. Andere verschwänden spurlos. Auch die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen rief Merkel auf, sich für die Uiguren einzusetzen. „Die massive Zunahme der Gewalt ist eine direkte Folge der systematischen Verletzung der Religions-, Meinungs- und Internetfreiheit der Uiguren“, sagte Experte Ulrich Delius.