Bonn - Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat die Pegida-Bewegung scharf kritisiert. „Von der Zielsetzung her ist Pegida unchristlich“, sagte Schneider der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Montag). Zu den Werten des Abendlands gehörten auch die Religionsfreiheit und das Eintreten für die muslimischen Flüchtlinge: „Wir können nicht das Abendland verteidigen, indem wir den Islam als Feind ausrufen. Christinnen und Christen haben deshalb auf diesen Kundgebungen nichts zu suchen.“

Man müsse zwar mit den Demonstranten reden - den Erfolg eines solchen Dialogs hält Schneider aber für zweifelhaft: „Das Problem ist, dass die meisten gar nicht diskutieren wollen - aus guten Gründen, denn sobald Argumente ausgetauscht werden, sind die ja am Ende.“ Schneider warnte die Politik davor, Forderungen der Pegida-Protestler aufzunehmen: „Hier müssen wir widersprechen und deutlich sagen, dass das Unsinn ist.“

Lob kam vom früheren rheinischen Präses für die Ankündigung des Kölner Domkapitels, während der für Montagabend geplanten „Kögida“-Demonstration die Beleuchtung der Kathedrale abzuschalten: „Das ist eine pfiffige Aktion, pragmatisch und trotzdem ernsthaft. Die Kölner machen das genau richtig.“

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, Wolfgang Kubicki, zeigte dagegen Verständnis für den Unmut der Pegida-Demonstranten. Deren Kritik an Medien und Politik halte er für berechtigt. Es gehe nicht an, dass „man zum Beispiel bereits durch die öffentlich artikulierte Sorge, dass der Rechtsstaat sich aus der Bekämpfung von salafistischen Umtrieben zurückziehen könnte, als ausländerfeindlich diskreditiert wird“, sagte Kubicki der „Welt“ (Montag). Vielmehr müssten Medien und Politik diese Sorgen ernst nehmen.

Das islamfeindliche Pegida-Bündnis will heute erneut in mehreren Städten auf die Straße gehen. Demonstrationen und Gegenkundgebungen sind unter anderem in Dresden, Berlin und Köln geplant. Aus Protest wird in Köln die Außenbeleuchtung des Doms ausgeschaltet.

In diesen drei Städten sowie in Stuttgart wird es Gegendemonstrationen geben. Diese wenden sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und machen sich für ein weltoffenes und tolerantes Deutschland stark. In Dresden haben zwei Musikbands zu einem „Neujahrsputz“ des Pegida-Kundgebungsortes aufgerufen. Nach der Demonstration sollen Bürger zum Besen greifen und den Platz symbolisch reinigen.

In Köln soll aus Protest die Außenbeleuchtung des Doms für mehrere Stunden abgeschaltet werden. Die Kathedrale solle den Pegida-Demonstranten nicht auch noch eine schöne Kulisse bieten, sagte Dompropst Norbert Feldhoff. Er bezeichnete die Pegida-Bewegung als „eine außerordentlich gemischte Versammlung“. Mit dabei seien auch „wohlmeinende, besorgte Bürger, darunter auch gute Katholiken“, so Feldhoff. Allerdings reiche das Spektrum bis hin zu Populisten und Rechtsextremen. Diese „komplexe Mischung“ sei das eigentlich Kritische. Seine These sei: „Ein K.o.-Tropfen in dem besten Getränk vergiftet das ganze Getränk“, sagte der Dompropst. Die Aktion des Domkapitels sei gemeint als Aufruf: „Folgen Sie denen nicht.“