CLOPPENBURG - Nein, zu Karl-Theodor zu Guttenberg wollte sich dessen Vor-Vorgänger am Donnerstagabend im Cloppenburger Bildungswerk eigentlich nicht äußern. Und dennoch konnte sich der ehemalige Bundesverteidigungsminister Peter Struck (2002 bis 2005), der vor rund 60 Zuhörern aus seinem neuen Buch „So läuft das!“ las, den einen oder anderen Seitenhieb auf den zurzeit im Kreuzfeuer der Kritik stehenden Adeligen nicht verkneifen.
Am 26. November 2009 waren der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, und der Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Peter Wiechert (CDU), von zu Guttenberg entlassen worden. Diese hätten – so zu Guttenberg – Informationen bei den Ermittlungen zu dem Luftangriff bei Kunduz vom 4. September 2009 zurückgehalten. Diese Vorwürfe gegen die beiden „integeren Personen“ – so Struck – seien absurd. Speziell General Schneiderhan sei ein Mann, „dem ich mein Leben anvertrauen würde“.
Darüber hinaus kritisierte Struck zu Guttenberg für die Bundeswehrreform und die damit verbundene Aussetzung der Wehrpflicht. Es sei unmöglich bis 2015 die anvisierten 8,4 Milliarden Euro einzusparen. Durch die Wehrpflicht sei die Bundeswehr immer in der Gesellschaft integriert gewesen, deshalb habe Deutschland eine Armee, die „intelligenter ist als jede Berufsarmee auf der Welt“.
Kritik musste sich Struck im Bildungswerk für seine positive Einstellung zum Einsatz in Afghanistan gefallen lassen. Seit dem Mauerfall – so Struck – könne sich Deutschland nicht mehr raushalten, zumal die Vereinten Nationen nach wie vor über keine eigene Armee verfügten. Afghanistan sei ein Land gewesen, von dem Terrorgefahr ausgegangen sei und das die Menschen – speziell die Frauen – auf fürchterlichste Weise unterdrückt habe. Gleichwohl – gab Struck zu – habe sich die Einstellung der Bevölkerung gegenüber der Bundeswehr massiv geändert. Zu Beginn des Einsatzes habe er, Struck, noch zu Fuß durch Kunduz laufen können. Seinerzeit hätten die Menschen die Bundeswehrsoldaten noch bejubelt.
Bundesverteidigungsminister – so der heute 68-Jährige – sei er 2002 nur geworden, um der SPD, der er „vieles zu verdanken“ habe, etwas zurückzuzahlen. Seine Frau Brigitte, für die Sozialdemokraten stellvertretende Bürgermeisterin in Uelzen, sei zunächst strikt dagegen gewesen. Struck, der seit 1998 Fraktionsvorsitzender der SPD war, wäre gerne auf diesem Posten geblieben, weil man hier mehr zu sagen habe als jeder Minister, „außer dem der Finanzen“.
Dennoch habe er nach der Bildung der Großen Koalition im Jahre 2005 das Amt des Verteidigungsministers nur ungerne abgegeben. Struck: Die Bundeswehr war mir richtig ans Herz gewachsen.“
Anschließend war Struck noch einmal bis 2009 zurück auf den Posten des Fraktionschefs gegangen, bevor sich der begeisterte Motorradfahrer vor Beginn der laufenden Legislaturperiode aus der großen Politik zurückzog. „Helmut Schmidt sagte zu mir: ,Mit Dir geht einer der letzten Sozis von altem Schrot und Korn. Das ist für mich wie ein Ritterschlag gewesen.“
