CLOPPENBURG - Der Tod des zwölfjährigen Tim aus Drantum müsse Konsequenzen haben. Landkreis und Stadt Cloppenburg seien zum Handeln gefordert.

von michael loots

CLOPPENBURG - Nach dem Tod des zwölfjährigen Tim auf dem Bahnhofsvorplatz in Cloppenburg fordern die Schulleitungen und Elternräte der weiterführenden Schulen vom Landkreis und von der Stadt unverzüglich ein Konzept zur Sicherung der Bushaltestelle. Denn sie stufen die derzeitige Situation am Bahnhof für die Kinder und Jugendlichen, die mit dem Bus fahren müssen, als lebensbedrohlich ein.

In einer gestern kurzfristig verabschiedeten Resolution, die Landrat Hans Eveslage und Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese zugestellt wurde, heißt es, es müsse nachhaltig eine Situation hergestellt werden, die das Wohl von Leib und Leben der Schülerinnen und Schüler garantiere. Dabei sei der Schutz der Kinder und Jugendlichen absolut über den Denkmalschutz zu stellen (Anm.d.Red.: Bahnhofsgebäude und alte Viehrampe auf dem Gelände stehen unter Denkmalschutz).

Die Eltern und Schulleitungen fordern darüberhinaus einen Einsatz zusätzlicher Ordnungskräfte, Aufsichten und der Polizei, bis der Bau einer gesicherten Bushaltestelle abgeschlossen sei. Zu einem nachhaltigen Sicherheitskonzept in Sachen Busbeförderung von Kindern und Jugendlichen gehört nach Überzeugung der Pädagogen und Elternräte neben baulichen Maßnahmen auch der künftige Einsatz von Ordnungs- oder Aufsichtskräften.

Hilke Lehmann, Vorsitzende des Schulelternrates am Clemens-August-Gymnasium, erklärte gestern der NWZ den kurzfristigen Vorstoß in Richtung Kreis- und Stadtverwaltung damit, dass sie von vielen Eltern gefragt worden sei, welche Konsequenzen denn die Tragödie am Busbahnhof habe. „Nicht zuletzt deshalb wollten wir schnell handeln, unsere Forderungen deutlich machen, ein Signal setzen. Schließlich vertrauen die Eltern darauf, dass wir Elternräte die Verantwortlichen in die Pflicht nehmen.“ Und verantwortlich für die Schülerbeförderung sind für Hilke Lehmann und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter zunächst einmal der Landkreis und die Stadt. „Wenn die nun die Verantwortung von sich schieben, wirft das auch ein gewisses Licht auf sie“, so die CAG-Elternratsvorsitzende.

Der Bahnhofsvorplatz, auf dem sich täglich Hunderte Fahrschüler tummeln, hat weder farbliche Kennzeichnungen, geschweige denn Absperrgitter. Die prekäre Lage ist allen beteiligten Behörden seit Jahren bekannt – ohne ersichtliche Konsequenzen. Die Crux ist, dass die Deutsche Bahn AG, der das Gelände gehört, der Stadt den schwarzen Peter zuschiebt, weil die das Gelände nicht kaufe. Die Stadt kontert, das Areal sei überteuert, auf fremdem Gelände werde sie nicht investieren, außerdem wechsle bei der Bahn dauernd die Zuständigkeit. Der Kreis wiederum windet sich, er erfülle bei der Schülerbeförderung die rechtlichen Anforderungen. In politischen Kreisen und bei vielen Menschen auf der Straße stoßen diese restriktiven Haltungen dagegen zunehmend auf Unverständnis und Kritik.