Cloppenburg - 2234 Frauen sind im vergangenen Jahr in die 13 katholischen Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen im Oldenburger Land gekommen. Nicht allen ging es existenziell schlecht. Bei ihren Klientinnen jedenfalls, sagt Beraterin Andrea Thiering-Moormann vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Cloppenburg, erlebe sie einen Trend: „Zunehmend mehr Frauen kommen zu mir, weil sie sich informieren wollen.“ Oder weil sie sich jemand Kompetentem gegenüber aussprechen möchten. Völlig legitim für die SkF-Mitarbeiterin: „Man braucht nicht das Riesen-Problem oder eine Krise zu haben, um in die Schwangerschaftsberatung zu kommen.“
Mögliche Zuschüsse
Bedrückend seien hingegen für viele, die ihre Türschwelle überschreiten, finanzielle Sorgen. „Reicht der Verdienst meines Mannes, wenn ich nicht mehr arbeiten kann?“, laute eine bohrende Frage. Das Ziel der Sozialpädagogin sei es dann, über Elterngeld oder mögliche Zuschüsse von Stiftungen zu informieren. Knapp 800 000 Euro hat die Bundesstiftung Mutter und Kind auf diese Weise in 1300 Fällen für das Oldenburger Land bewilligt, so Caritas-Fachberaterin Rita Schute. Noch einmal 100 000 Euro wurden von kirchlichen Stiftungen für 250 Anträge bewilligt.
Beratungsstellen rund um das Thema Schwangerschaft gibt es in Trägerschaft des Sozialdienstes katholischer Frauen in Cloppenburg (Außenstellen: Barßel, Friesoythe, Löningen), Oldenburg und Vechta (Außenstelle: Damme). Weitere Infos: Rita Schute, Landes-Caritasverband für Oldenburg (
Die Beratung rund um Fragen der Schwangerschaft erfolgt kostenfrei und unabhängig von Nation und Religion. Auf Wunsch auch anonym. Sie ist möglich mit dem Beginn der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr des Kindes.
Beratungsanlässe können sein: vor, während und nach pränataler Diagnostik; nach einem Schwangerschaftsabbruch; nach einer Fehlgeburt. Es gibt das Angebot von sexualpädagogischen Kursen sowie der Unterstützung bei medizinisch-vorgeburtlichen Fragen.
Wichtig sei auch die Information darüber, was einer Schwangeren rechtlich zustehe, sagt die Sozialpädagogin stellvertretend für ihre Kolleginnen. Im Rahmen der bundesweiten Caritas-Onlineberatung berät sie auch mal Frauen aus Rosenheim. „Denn es stimmt nicht immer alles, was der Chef seiner angestellten schwangeren Mini-Jobberin sagt.“ Der kurze Anruf beim Jobcenter in Gegenwart der Klientin beende manchmal schlaflose Nächte.
Auch der Hinweis auf eines der 13 sozialen Kaufhäuser, die es insgesamt im Oldenburger Land gibt, trage dazu bei, dass schwangere Frauen den Raum froher verließen, als sie ihn betreten hätten. Die 50 Prozent der werdenden Mütter aus Rumänien, Bulgarien oder dem noch weiter entfernten Ausland seien häufig regelrecht überrascht, was ihnen im medizinischen Bereich die Geburt erleichtere.
Netzwerk hilft
Als entlastend erlebt Thiering-Moormann zudem das Netzwerk, durch das sie und die Frauen getragen seien: Zu Familienpaten könne sie weiterleiten, in den Sprachkurs der pensionierten Lehrerin oder in das Mehrgenerationenhaus. Auch das Angebot des Familienhebammendienstes, der Hebammenzentrale für den Landkreis Cloppenburg sowie die Babylotsen sind ihr wertvoll. 57 Prozent der Klientinnen haben keinen Berufsabschluss.
Seit sieben Jahren in diesem Feld tätig, gibt es Gespräche, die die 40-Jährige dann aber doch sehr beschäftigen: Dann, wenn beispielsweise eine 14-jährige Schwangere in ihrem Büro sitzt. Manchmal gelte es, die Heranwachsende mit ihren Eltern erst mal an einen Tisch zu bringen. Im Idealfall stehe die Mutter hinter der Schwangeren.
Thiering-Moormanns Prinzip: Egal, ob die Klientin 14 oder auch mal Ende 40 ist, nicht verurteilen, nicht moralisch bewerten. „Mir geht es darum, dass am Ende der Beratung der Freude auf das Kind nichts mehr im Wege steht.“
