CLOPPENBURG - Der internationale Einsatz im Afghanistan ist notwendig. Diese Ansicht vertrat Aga Zia Farin, ein aus Afghanistan stammender Lehrer aus Bad Zwischenahn, vor zwei Politik- und Geschichtskurse aus dem elften Jahrgang des Clemens-August-Gymnasiums. Der Lehrer, der bei verschiedenen Anlässen politische und militärische Delegationen aus Deutschland in seine Heimat begleitet, kritisierte gleichwohl die Strategie der am Einsatz beteiligten Staaten.

Aus heutiger Sicht sei Afghanistan ein unregierbares Land, so Farin. Ein Ende des Konflikts könne nur eine Teilung des Landes bringen. Die Taliban würden sich niemals ohne Gottesstaat zufrieden geben. Ohne die ISAF-Truppen wäre die Bevölkerung unzureichend vor den Taliban (O-Ton Farin: „Steinzeitmenschen“) geschützt. Viele Kriege hätten große Teile des Landes zerstört, deshalb kämpfe die afghanische Bevölkerung jeden Tag um Nahrung.

Er lobte die vielen Projekte, wie den Bau neuer Schulen, kritisierte jedoch zugleich die Strategie vieler Regierungen: Im Vergleich zum zivilen Aufbau würde zu viel Geld in das Militär gesteckt. Nach Farins Ansicht sollte den Stammesführern der Regionen mehr Geld für den Ausbau der Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden. In Bezug auf den Präsidenten Hamid Karsai sagte Farin, dieser sei nur „eine Fahne im Wind“.

Im Vorfeld des Besuches war in den Kursen Afghanistan behandelt worden. Afghanistan-Kenner Farin thematisierte in seinem Vortrag auch die Geschichte des Landes: Dabei begann er mit dem Jahr 1978, als Russland einmarschierte. Lange Kämpfe folgten, bis die Truppen 1989 wieder abzogen. 1992 übernahmen die Mudschaheddin die Regierung – allerdings nur bis 1995. Viele Bürgerkriege prägten die Regierungsjahre. Ab dann begannen die Taliban das Land zu übernehmen, um einen islamistischen Gottesstaat zu errichten. Nach dem Terroranschlag der in Afghanistan frei operierenden Al Qaida vom 11. September 2001 erhielt dann die USA ein UN-Mandat zur Selbstverteidigung. Heute ist das Land Afghanistan mit ISAF-Truppen besetzt.

Farin verließ 1973 Afghanistan, um in Deutschland zu studieren. Nach seinem Studium heiratete er eine deutsche Frau. Farins Großfamilie lebt jedoch bis heute größtenteils in Afghanistan.