Damaskus/Moskau - Lange hat Wladimir Putin das Geschehen im Nahen Osten eher von der Seitenlinie aus betrachtet. Inzwischen greift der russische Präsident aber immer öfter selbst als gestaltende Kraft ein – als Schutzmacht in Syrien, als diplomatischer Partner im Iran und neuerdings auch mit Milliardengeschäften in Saudi-Arabien. Er baut Stützpunkte auf und schmiedet Allianzen, investiert und moderiert. Zum Teil stößt er dabei gezielt in Lücken vor, die durch den Rückzug der Amerikaner entstanden sind.
Schon unter Barack Obama hatten sich die USA im arabischen Raum weit seltener eingemischt als in früheren Jahren. Seit Donald Trump im Weißen Haus sitzt, hat sich diese Tendenz noch verstärkt. Vor allem in Syrien läuft inzwischen praktisch alles über Russland. Einerseits stützt Putin dort zwar den international geächteten Präsidenten Baschar Assad. Doch andererseits kann er sich damit brüsten, einen wichtigen Beitrag zum Kampf gegen die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu leisten.
Trump, der innenpolitisch in unzählige Kontroversen verwickelt ist, erscheint vielen Regierungen im Nahen Osten kaum als zuverlässiger Partner. Während der US-Präsident gegen den Atomdeal mit dem Iran wettert, gibt Putin dort den besonnenen Vermittler. Gemeinsam mit Teheran und Ankara organisiert er Feuerpausen zwischen syrischen Milizen. Selbst zu Saudi-Arabien, dem wichtigsten Partner der USA in der Region, baut er neue Beziehungen auf.
Putin versteht es, sich geschickt in Szene zu setzen, vor allem im Hinblick auf Syrien. Während die Friedensgespräche unter dem Dach der UN bisher wenig bewirken konnten, lässt Russland einfach parallel verhandeln – in einem Rahmen, der den eigenen Interessen weit besser entspricht. Die nächsten „russischen“ Syrien-Gespräche wurden gerade für den 18. November angesetzt, nur zehn Tage vor der nächsten Verhandlungsrunde in Genf.
Vertreter der syrischen Opposition zeigten sich darüber sehr verärgert. Sie fürchten, dass Putin unter Umgehung der UN vorzeitig Fakten schaffen will. Von Russland eingeladen wurde im Übrigen auch die von den USA unterstützte syrische Kurdenpartei PYD, die auf Druck der Türkei in Genf bisher nicht mit am Tisch sitzen durfte. Möglicherweise könnte Putin darauf aus sein, eine nachhaltige Einigung zwischen Assad und den syrischen Kurden zustande zu bringen – unter Bedingungen, die langfristig den Einfluss der USA in Syrien mindern würden.
Mit dem Iran arbeitet Russland nicht nur in Syrien eng zusammen. Mit Unterstützung aus Moskau konnte 2011 das Kernkraftwerk in der iranischen Stadt Buschehr fertiggestellt werden. Seit dem vergangenen Jahr verfügt Teheran über das russische Flugabwehrraketensystem S-300.
Eine besondere Beziehung pflegt Russland seit einiger Zeit auch zu Israel. Nicht in allen Punkten mag zwar Einigkeit herrschen. In wichtigen Angelegenheiten setzen aber beide auf pragmatische Lösungen. So stehen etwa die Luftwaffen der beiden Staaten miteinander in Kontakt, um sich bei ihren jeweiligen Einsätzen in Syrien nicht gegenseitig in die Quere zu kommen.
Die russische Kooperation mit dem Iran wird in Israel zwar sehr kritisch beobachtet. Gleichzeitig wird aber auch gesehen, dass Moskau und Teheran in vielerlei Hinsicht in Konkurrenz zueinander stehen, etwa im Hinblick auf die jeweiligen Pläne für Syrien, wenn der Krieg dort eines Tages beendet sein sollte. Russland könnte in Syrien eine aus israelischer Sicht durchaus konstruktive Rolle spielen, sagt der Direktor des israelischen Geheimdienstministeriums, Chagai Zuriel.
