Osnabrück - Auf Ex-Bundespräsident Christian Wulff wartet in seiner Heimatstadt Osnabrück noch eine besondere Ehrung: Nach wie vor nicht entschieden wurde vom Rat ein Antrag, dem Politiker wegen großer Verdienste um die Stadt die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Der Vorstoß kam Ende 2011 vom Verkehrsverein Stadt und Land Osnabrück, fast gleichzeitig mit den ersten Vorwürfen gegen Wulff, dem niedersächsischen Landtag nicht die Wahrheit über die Finanzierung seines Hauses in Großburgwedel gesagt zu haben. Wegen der sich anschließenden Korruptionsvorwürfe wurde der Ehrenbürger-Antrag bislang auch noch nicht im Stadtrat behandelt, sagte Stadtsprecher Sven Jürgensen.
Das könnte sich allerdings ändern, wenn für Wulff die gesamte Korruptionsaffäre juristisch endgültig abgeschlossen ist. Zwar wurde er Ende Februar vom Landgericht Hannover freigesprochen. Bis zum 12. Juni hat die Staatsanwaltschaft Hannover aber Zeit, zu entscheiden, ob sie an ihrem Antrag auf Revision festhält. Sollte sie darauf verzichten, wäre Wulff juristisch rehabilitiert. Bleibt sie bei der Revision, müsste man noch viele Monate auf eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe warten, der dann das Urteil auf Rechtsfehler prüft. Wenn Wulff Pech hat, würde das Verfahren noch einmal neu aufgerollt.
Nach dem Freispruch war Wulff wieder bei der Osnabrücker CDU eingetreten. Wegen seiner Wahl zum Bundespräsidenten hatte er seine Parteimitgliedschaft ruhen lassen. „Er ist einstimmig mit großer Freude aufgenommen worden“, sagte der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Osnabrücker Stadtrat, Fritz Brickwedde. Über eine Ehrenbürgerschaft lasse sich wieder reden, wenn der Freispruch Wulffs bestätigt werde. Es brauche aber in der Stadt einen großen Konsens über die Parteien hinweg. „Vielleicht braucht man ein bisschen Zeit, bis sich einiges gesetzt hat, was an Aufregungen in den vergangenen Jahren so war“, sagte Brickwedde.
Dass sich Wulff um seine Heimatstadt verdient gemacht habe, werde nicht nur von dessen Parteifreunden anerkannt, sagte Brickwedde. So sei es Wulff als damaligen niedersächsischen Ministerpräsident zu verdanken gewesen, dass sich nach der Pleite des Cabriobauers Karmann VW in der Stadt angesiedelt habe. „Die Rettung Osnabrücks als Automobilstandort, das ist das größte Verdienst, was er hat“, sagte Brickwedde. Immerhin stehe hinter dem Vorschlag, Wulff als Ehrenbürger auszuzeichnen, auch der frühere SPD-OB Hans-Jürgen Fip.
