München/Berlin - Kanzlerin Angela Merkel fährt wegen anhaltender Spannungen mit der CSU erstmals nicht zum Parteitag der bayerischen Schwesterpartei. Das verlautete am Samstag aus Unionskreisen. Der „Bild am Sonntag“ zufolge hatten sich die CDU-Vorsitzende und CSU-Chef Horst Seehofer darauf am Vorabend geeinigt. Die CSU kommt Ende kommender Woche in München zusammen. Hauptstreitpunkt in der Union ist Merkels Flüchtlingspolitik.

Seit sie im Jahr 2000 den Parteivorsitz übernommen hat, war Merkel auf jedem regulären Parteitag der Schwesterpartei zu Gast. Mit der Entscheidung war jedoch gerechnet worden. Zu groß erschien das Risiko, dass Seehofer mit seinen versöhnlicheren Tönen der vergangenen Tage nicht zur Parteibasis durchdringt und die Delegierten Merkel erneut einen unfreundlichen Empfang bereiten.

In der CDU hieß es, man sei „bei der inhaltlichen Verständigung auf einem sehr guten Weg“. „Es ist nicht so wichtig, ob sich die Vorsitzenden wechselseitig auf Parteitagen besuchen“, sagte CDU-Vize Armin Laschet der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Entscheidend sei, im Wahlkampf an einem Strang zu ziehen. „Und da kommen aus München genau die richtigen Signale.“ Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Max Straubinger, sagte, er sei „überzeugt, dass wir mit der Bundeskanzlerin geschlossen in den Wahlkampf ziehen.“ Der Besuch sei dafür nicht entscheidend, sagte er der „Westdeutschen Allgemeinen“.