Herr Heinsen, seit 25 Jahren an der Spitze des Großenkneter Gemeinderates, zunächst als ehrenamtlicher Bürgermeister, dann als Ratsvorsitzender: Ist der Ratssaal zu Ihrer zweiten Heimat geworden?

Heinsen Heimat ist ein bisschen überzeichnet, aber zuhause: Ja. Es gibt ja den Spruch „Geht dir der Rat aus, geh ins Rathaus.“ Ich freue mich, dass die Gemeinde das umgesetzt hat und Service für die Bürger bietet, auch am Wochenende. Es ist eine meiner Aufgaben, dass ich versuche, Öffentlichkeit herzustellen, damit der Bürger dieses Rathaus als sein Rathaus wahrnimmt. Wir sind Dienstleister: Das ist die Aufgabe von Rat und Verwaltung.

Was hat überwogen in den 25 Jahren im Amt: Freude oder Frust?

heinsenEindeutig die Freude. Wenn es Frust gewesen wäre, hätte ich es aufgegeben. Es ist die Möglichkeit zu gestalten. Das macht den Reiz aus.

Der Wechsel von der Zweigleisigkeit mit ehrenamtlichem Bürgermeister und hauptamtlichem Gemeindedirektor zum heutigen eingleisgen hauptamtlichen Bürgermeister: Ihre Bewertung?

heinsen Ich bin nach wie vor der Ansicht: Die Zweigleisigkeit war besser. Da war der Hauptverwaltungsbeamte der Chef der Verwaltung und der Bürgermeister der ehrenamtliche Repräsentant der Gemeinde. Beides unter einem Dach geht auf Kosten der Kapazität, die ein Mensch hat. Das ist nicht möglich zu leisten.

Was sind die schwierigen Situationen als Ratsvorsitzender gewesen?

HeinsenBei einigen Themen war der Andrang so groß, dass der Ratssaal nicht ausreichte. Zum Beispiel bei der Erschließung des Flugplatzgeländes, der Gewerbesteuererhöhung, der Massentierhaltung. Da ist es mir schwer gefallen, den Bürgern zu sagen, dass sie laut Geschäftsordnung den Ratssaal verlassen müssen. Es reichten die vorgesehenen freien Plätze nicht aus. Die Ratskollegen fühlten sich bedrängt. Damit die Beschlussfassung nicht gefährdet wurde, musste ich das Hausrecht anwenden. Das habe ich nicht gerne gemacht. Wenn großes Interesse absehbar war, habe ich versucht, den Saal von Kempermann zu nehmen.

Worauf kommt es im Amt als Ratsvorsitzender an?

HeinsenSchwierige Frage. Ich denke, es ist absolut notwendig, das Vertrauen zu haben. Dass man nicht parteiisch in diesem Amt ist, objektiv jeden Beitrag auch erträgt, Geduld zu haben. Mit der Erfahrung der Jahre gilt es zu versuchen, den einen oder anderen, wenn er wirklich versucht auszureißen, zurückzuholen. Ich hoffe, dass mir das gelungen ist.

Wird man mit den Jahren ruhiger?

HeinsenDie Erfahrung ist ein unendlicher Schatz. Zuhören zu können, auch ruhig den anderen die Zeit zu gönnen, aber auch die Gesamtverantwortung zu haben, mit anderer Leute Zeit verantwortlich umzugehen.

Wie hat sich das Klima im Rat entwickelt?

heinsenIch denke, nach den ersten Anfängen ist der Rat in Großenkneten ein von Vertrauen getragenes Beschlussgremium geworden. Das sieht man ja auch an den vielfach einstimmigen Beschlüssen. Gearbeitet wird im Vorfeld, da leisten die Fraktionsvorsitzenden in ihren Fraktionen ihren Beitrag. Dann kommt man weitgehend mit dem Willen des Verstehens in den Rat. Das heißt nicht, dass man die Kontroverse nicht zulässt, aber doch irgendwann den gemeinsamen Konsens hat. Man drischt nicht aufeinander ein.

Aber mitunter geht es doch scharf zur Sache, so bei den Debatten im Umfeld der Massentierhaltung …

heinsenDass man andere Positionen einnimmt, ist das Spiel einer Demokratie, das muss man abkönnen. Da muss keiner seine Meinung an der Garderobe abgeben. Das ist auch noch nicht geschehen, das sind alles zu sehr gestandene Persönlichkeiten.

Blick nach vorne: Wie lange möchten Sie das Amt noch ausüben?

heinsenErstmal bin ich gewählt bis September 2016. Dann werden die Karten neu gemischt.

Ulrich Suttka
Ulrich Suttka Kanalmanagement