London - Weltwirtschaft, Ukraine-Krise, Russland-Sanktionen, Euro-Raum: Alles wichtige Themen, die am Mittwoch beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim britischen Premierminister David Cameron auf dem Programm stehen. Ganz oben auf der Agenda ist die Vorbereitung des G7-Gipfels auf Schloss Elmau im Juni. Aber die Briten interessieren sich für etwas anderes: „Ich bin sicher, dass die EU-Reform auch ein Diskussionsthema sein wird“, bestätigte Camerons Sprecher.

Nicht sicher ist allerdings, ob der konservative Premier noch dabei sein wird beim Gipfel im Juni. Anfang Mai wird in Großbritannien gewählt, und Cameron muss um seine zweite Amtszeit zittern. Seine Chancen hängen auch davon ab, wie glaubwürdig er eines seiner wichtigsten Wahlversprechen rüberbringen kann: strengere Regeln für die Zuwanderung in Königreich und – dafür notwendig – Reformen in Brüssel.

Das Versprechen einer Volksabstimmung über die EU-Mitgliedschaft spätestens Ende 2017 ist im Wahlkampf ein Trumpf in Camerons Hand, denn derzeit spricht sich in Umfragen mal wieder eine Mehrheit der Briten gegen die Union aus.

Diesen Trumpf versucht Cameron seit Monaten in Brüssel auszuspielen – in der Downing Street geht man davon aus, dass Merkel im Ernstfall viel tun wird, um die Briten als Partner zu behalten. Gerade hat der Premier noch etwas Öl ins Feuer gegossen und in einem BBC-Interview angemerkt, dass er die Briten am liebsten früher abstimmen lassen würde. Auf deutscher Seite dagegen hat Merkel klargemacht, dass sie die Briten in der EU halten will – die Griechenland-Krise dürfte diesen Wunsch verstärken –, aber keinesfalls um jeden Preis.

Kein Wunder, dass die Opposition verschnupft ist, weil Labour-Führer Ed Miliband erst aus den Medien von dem Besuch aus der Bundesrepublik erfuhr. Die britischen Sozialdemokraten irritiert auch, dass Merkel lieber ins British Museum geht, statt eine Viertelstunde für den möglicherweise künftigen Premier zu reservieren. Nur Cameron darf sich diesmal mit der Frau ablichten lassen, die die „Times“ eben erst zur „Person des Jahres“ gekürt hat.

Es mag eine erste Vorbereitung dieses Treffens gewesen sein, dass seine Rede zur Migration vor Weihnachten sehr viel zahmer ausgefallen ist als alles, was er das Jahr über angekündigt und gefordert hatte. Kompromisse bei der Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU – das dürfte er inzwischen verstanden haben – sind mit Merkel schlicht nicht zu machen.

Im Vordergrund stehen jetzt Einschnitte bei Sozialleistungen für Immigranten. Zum Beispiel sollen im Ausland lebende Kinder von Einwanderern kein Kindergeld mehr bekommen. Da könnte doch etwas zu machen sein, spekulierte die „Times“. Nur: Selbst dafür sind Änderungen der EU-Verträge nötig. Darauf kann Merkel sich geschickt zurückziehen, ohne Cameron zu blamieren. In einer vorab verbreiteten Erklärung der beiden Regierungschefs hieß es nur floskelhaft, die EU müsse „stabiler und wettbewerbsfähiger“ werden.