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NWZonline.de Nachrichten Politik

Medizin: DDR kassierte für Arzneiversuch

29.12.2012

Berlin Westdeutsche Pharmafirmen haben einem Zeitungsbericht zufolge in großem Stil neue Arzneimittel auch an DDR-Patienten erprobt. Allein für die Zeit zwischen 1983 und 1989 hätten 50 Unternehmen aus der Bundesrepublik insgesamt 165 Studien beim DDR-Gesundheitsministerium beantragt, berichtet der Berliner „Tagesspiegel“.

Für eine einzelne Studie seien bis zu 860 000 D-Mark bezahlt worden. Damit dürfte die DDR mit den „teilweise geheimen“ Arzneimitteltests insgesamt einen hohen zweistelligen Millionenbetrag eingenommen haben. Die Studien seien in ostdeutschen Krankenhäusern auch ohne Wissen der Patienten vorgenommen worden, hieß es unter Berufung auf Unterlagen des Ministeriums sowie auf Recherchen der Zeitung.

Bekannte Firmen

Mehrere beteiligte Unternehmen hätten hingegen erklärt, dass die Studien unter Einhaltung der damaligen Standards erfolgten, die eine Aufklärung und eine schriftliche Einwilligung der mehreren tausend Probanden vorgesehen hätten. Zu den Firmen zählten den Angaben zufolge viele große namhafte Pharmakonzerne wie Hoechst (heute Sanofi), Boehringer Ingelheim, Gödecke oder die mittlerweile fusionierten Unternehmen Bayer und Schering.

Unklar ist, inwieweit die Tests mit Kenntnis westdeutscher Behörden erfolgten. „Offiziell habe ich nichts von Pharmastudien in der DDR gewusst“, zitiert die Zeitung den damaligen Präsidenten des Bundesgesundheitsamtes, Dieter Großklaus. Gegenüber dem MDR hatte die frühere Bundesgesundheitsministerin Rita Süssmuth (CDU) zuvor erklärt, von den Vorgängen keine Kenntnis gehabt zu haben. Seit neuerlichen Berichten über die Herstellung von Ikea-Möbeln in DDR-Gefängnissen ist die Frage, inwieweit Westunternehmen die DDR in ethisch fragwürdiger Weise zu Dienstleistungen nutzten, wieder ins Blickfeld der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt.

Aufklärung gefordert

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, forderte dem Zeitungsbericht zufolge die Pharmakonzerne zu umfassender Aufklärung auf. Die Patienten seien von der DDR-Regierung rücksichtslos zum Geldverdienen ausgenutzt worden.

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) sprach von einem „besonders drastischen Fall von Skrupellosigkeit“, in der sich die DDR-Führung und die westdeutsche Pharmaindustrie einig gewesen seien.

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