DEAUVILLE - Als Antwort auf die Atomkatastrophe von Fukushima machen sich die Europäer auf dem G-8-Gipfel für weltweite Stresstests von Kernkraftwerken stark. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy will im Juni konkrete Vorschläge für schärfere Sicherheitsvorschriften bei einer internationalen Ministerkonferenz erarbeiten lassen.

Zu Beginn des zweitägigen Treffens im französischen Seebad Deauville am Donnerstag sprach die Regierung die Einladung an 30 Staaten und internationale Organisationen aus, am 7. Juni in Paris zusammenzukommen. Die Ergebnisse dieses Treffens sollen in eine Sitzung der Internationalen Atomenergiebehörde zur Sicherheit der Kernkraft vom 20. bis 24. Juni in Wien einfließen.

Auch wenn die Schwerpunkte des Gipfels die Konsequenzen aus dem Fukushima-Unglück und die Reformbewegungen in Nordafrika und der arabischen Welt sind, machte US-Präsident Barack Obama ein bemerkenswertes wirtschaftspolitisches Versprechen. Die hoch verschuldeten USA sichern den G-8-Partnern eine neue Sparpolitik zu. Diplomaten sprachen von einem ungewöhnlichen Zugeständnis.

Einen schweren Gang hatte der japanische Ministerpräsident Naoto Kan bei der ersten Arbeitssitzung. Er berichtete über die Lage in Fukushima, die der Betreiber Tepco und auch die Regierung in Tokio lange verschleiert hatten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte von den G-8-Staaten, eine Führungsrolle bei der sicheren Nutzung der Atomenergie zu übernehmen. „Wir brauchen eine Überprüfung der Sicherheitsstandards auch auf internationaler Ebene“, sagte sie in einer Regierungserklärung zum Gipfel im Bundestag.

Zweites wichtiges Thema des Gipfels ist die Unterstützung des arabischen Frühlings, der seit vergangenem Dezember totalitäre Regime in Nordafrika und der arabischen Welt erschüttert. An dem Gipfel nehmen – neben anderen Afrika-Vertretern – auch die Regierungschefs von Ägypten und Tunesien teil.