Berlin/Paris - Nach der vereitelten Attacke in einem Thalys-Zug gibt es auch in Deutschland Rufe nach einem besseren Polizeischutz in Bahnhöfen und Zügen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hält einen Einsatz von Sicherheitsbegleitern in Zügen nach dem Vorbild der „Sky-Marshalls“ im Luftverkehr für sinnvoll.
Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer (CSU), sagte der „Passauer Neuen Presse“, im Vergleich zum intensiv kontrollierten Flugverkehr sei der Bahnverkehr wesentlich anfälliger. Um die Polizeipräsenz zu erhöhen, „bedarf es aber unweigerlich zusätzlicher Stellen bei der Bundespolizei“.
Frankreichs Verkehrs-Staatssekretär Alain Vidalies kündigte am Montag im Sender Europe 1 stichprobenartige Gepäckkontrollen an. Weil jeden Tag 20-mal so viele Menschen in Frankreich die Bahn nehmen wie ein Flugzeug, könnten solche Überprüfungen nur punktuell sein.
Die EU-Kommission hielt sich merklich zurück: Es müssten zwar nötige Maßnahmen getroffen werden, aber ohne in einen „Hyperaktionismus“ zu verfallen, warnte ein Sprecher am Montag. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte, er könne sich nicht vorstellen, in jede S-Bahn und in jeden Zug Sicherheitsbeamte zu stellen.
Der französische Präsident François Hollande zeichnete am Montag drei Amerikaner und einen Briten für ihren „Heldenmut“ bei der Abwehr der Thalys-Attacke mit einem Orden aus. Die Männer hätten „eine Tragödie, ein Massaker“ verhindert, sagte er.
Den 25-jährigen Marokkaner, der am Freitagabend in dem Hochgeschwindigkeitszug Amsterdam-Paris das Feuer eröffnet hatte, bezeichnete Hollande als Terroristen. Der schwer bewaffnete Angreifer war von den Fahrgästen niedergerungen worden.
Der Mann soll am 10. Mai bei einer Reise über Berlin am Flughafen Tegel einen Alarm ausgelöst haben. Er sei intensiv kontrolliert und befragt worden, berichtete die rbb-Abendschau. Er sei den Behörden international seit Monaten als gefährlicher Dschihadist bekannt gewesen. Der Bundespolizei habe aber die rechtliche Handhabe gefehlt, um ihn festzuhalten.
