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Debatte um Denkmal und Vertreibung

Betrifft:

„Denkmal für Vertriebene – neue Gutachter“ (NWZ vom 14. Juli)

Es ist erfreulich, dass mit Prof. Knigge und Prof. Frei endlich unabhängige Fachleute für Gedenkkultur hinzugezogen werden. Gleichwohl ist zweifelhaft, ob der vorliegende Entwurf noch so umgearbeitet werden kann, dass er den Vorgaben entspricht

Denn die zentrale Baum- und Wurzelmetapher ist grundsätzlich nicht geeignet, den historischen Prozess von Fluch und Vertreibung symbolisch in geeigneter Form zu verdichten. Sie entspricht vielmehr einem organisch-konservativen Heimatverständnis, wie es Horst Milde bereits 1987 bei einem Heimattreffen der Leobschützer formuliert hat: „Heimat ist mehr als eine Meile Land und ein paar Menschen, ist schicksalhafte Verbundenheit mit der Erde, die alles, was auf ihrer Scholle wächst, auch formt und wandelt nach ihrem Gesetz, bis Erde, Pflanze, Tier und Mensch zu einer Einheit verschmolzen sind.“ Damit zitierte er übrigens auch einen Oldenburger Ehrenbürger, nämlich August Hinrichs.

(Mildes Zitat aus: 800-Jahr-Feier der Stadt Leobschütz in der Patenstadt Oldenburg am 19. und 20. September 1987. Rückblick, hg. v. der Stadt Oldenburg, S. 6.)

Dr. Stephan Scholz

Oldenburg

*

Ist wirklich alles schon vergessen? Das unsägliche Leid der Vertriebenen und der millionenfache Tod. Als der Krieg zu Ende war, hatten diese Menschen nur noch die am Körper befindliche Kleidung. Sie wurden zwar aufgenommen, aber oft nicht gerne und mit Murren. Auch das haben wir überstanden. Was sie dann geschafft haben, ist ein kleines Wunder! Der Aufbau dieser Republik ist ein einmaliger Vorgang gewesen.

Wenn heute die Parteien und bestimmte „Interessenvertreter“ aus Eigennutz und Profilierungssucht versuchen, den Gedanken eines Denkmals weit von sich zu weisen und an den Haaren herbei gezogene Argumente – wie zuletzt eine Partei in Oldenburg – vertreten, sind dies ungeheuerliche Vorgänge und eine Schande für unser ganzes Land und besonders für Oldenburg.

Dass jetzt ein Ehrenbürger der Stadt Oldenburg, von Kalifornien aus, diesem Spuk ein Ende macht, ist ein weiteres Indiz, welche Strömungen zurzeit Bestandteil sind.

Professor Leo Trepp hat gesagt, „. . .der Pavillon passe eher zu einer Gartenausstellung. . .“ Diesen klaren Worten ist nichts mehr hinzuzufügen.

Helmut Hornickel

Oldenburg

*

Es ist nicht zu glauben. Kaum hat man einen geeigneten Entwurf für das Denkmal für Vertriebene gefunden, werden wieder fragwürdige Proteste von Historikern und Theologen ins Spiel gebracht, die die komplexen Zusammenhänge der Vertreibung von ca. 15 Millionen Deutschen (...) in eine große Schieflage bringen.

Die deutschen Heimatvertriebenen waren nach dem Buch „Friede, Freude, Eicherkuchen“ (Schardt Verlag) und einem Kommentar des Historikers Guido Knopp zu 99,8 Prozent nicht für den 2. Weltkrieg und den Holocaust verantwortlich. Man sollte endlich damit aufhören, diese gequälten Menschen, die mit dem Verlust ihrer deutschen Heimat und Hab und Gut büßen mussten, zu beleidigen.

Anständig wäre es, von Seiten der Theologen und Historiker, die Heimatvertriebenen in Form eines angemessenen Denkmals, wie es die Künstlerin Insa Winkler entworfen hat, zu würdigen.

Manfred Pradel

Oldenburg
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