Jetzt driftet auseinander, was noch nie zusammengepasst hat: Die Linkspartei steht mitten in einem Machtkampf zwischen Ost- und Westflügel – Spaltung nicht ausgeschlossen.

Der Streit um eine Ablösung von Linke-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch ist nur eine Stellvertreter-Debatte. Denn zwei Kulturen treffen aufeinander: Die West-Linke aus frustrierten Ex-SPDlern, Altkommunisten, und Sektierern hinter Oskar Lafontaine und auf der anderen Seite die Ost-Linke aus SED-Nostalgikern, aber auch machtorientierten Pragmatikern wie Lothar Bisky, Gregor Gysi, Dietmar Bartsch oder mit Abstrichen Bodo Ramelow. Längst ist vom Krieg der Mentalitäten in der Partei die Rede. Daran dürfte viel Wahres sein.

Dass die Querschüsse aus NRW und Baden-Württemberg in Richtung Bartsch mit Billigung Lafontaines abgefeuert werden, kann als gesichert gelten. Die Spekulation, dass sich Lafontaine dafür rächen wolle, dass Bartsch die Gerüchte über eine Affäre des Parteivorsitzenden mit der Ultra-Linken Sahra Wagenknecht in die Welt gesetzt hat, ist dabei nur ein Nebenkriegsschauplatz. Diese Geschichte waberte längst über die Flure in der Berliner Parteizentrale.

Nein, Lafontaine will eine ihm blind ergebene Linke. Da stören nur Pragmatiker wie Bartsch und Co., die langfristig ein Bündnis mit der SPD ansteuern. Dass Lafontaine Bartsch mal als Bodygard des Parteivorstands bezeichnet haben soll, und Bartsch im Gegenzug sich weigert, den Hausmeister für einen Sonnenkönig zu machen – passt ins Bild einer Hass-Beziehung. Bartsch hält die NRW-Linke für regierungsunfähig, Lafontaine stützt die Radikal-Truppe an Rhein und Ruhr. Die Liste kann nahezu beliebig fortgesetzt werde.

Alles zusammen ergibt ein programmatisches Wetterleuchten über den Kurs der Linken. Dieser Krieg der Köpfe entscheidet über die Zukunft der Gesamtpartei. Noch hat Lafontaine nicht seine erneute Kandidatur zum Partei-Vorsitz erklärt. Vielleicht überrascht er – mal wieder – mit einem spektakulären Abgang.

Den Autor erreichen Sie unter Reichenbachs@infoautor.de