Zetel - Interessante Einblicke in die Volkskrankheit Demenz gab die Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft Wilhelmshaven/Friesland, Rosemarie Groß, am Mittwoch im Mehrgenerationenhaus. Sie ist Psychologin und Deeskalationstrainerin. Joann Hagen von der Gemeinde und Kerstin von Zabiensky vom Mehrgenerationenhaus hatten zu dem Vortrag mit dem Thema „Demenz – was verbirgt sich dahinter?“ eingeladen. Die 72-jährige Referentin hatte mehr als 18 Jahre ihre an Demenz erkrankte Mutter gepflegt, betreut und begleitet.

Die Krankheit wurde Anfang des vorigen Jahrhunderts von Alois Alzheimer entdeckt, er bezeichnete sie als „Krankheit des Vergessens“ – heute ist die Krankheit nach ihm benannt.

Schon früher gab es diese Erkrankung des langsamen Vergessens, nur die Menschen wurden nicht so alt, so dass der Verlust der geistigen Fähigkeiten nicht so stark in Erscheinung trat.

Der demografische Wandel mit einer immer älter werdenden Bevölkerung war ein Anlass der Organisatorinnen zu diesem Vortrag. „Wie geht man damit um, wenn ein Mensch seinen Verstand verliert?“, ist die Frage. Rosemarie Groß sprach vom massenhaften Untergang von Hirnzellen, jedoch schaffe es das Gehirn bis zu 20 Jahre lang, gespeicherte Informationen umzuschichten. Erst wenn es aufgrund des fortschreitenden Verfalls keinen freien Platz mehr gebe, würden beim Betroffenen die inneren Zustände durch äußere Zeichen sichtbar. Es fehlen die Worte, Dinge werden verlegt oder einfache Arbeiten gelingen nicht mehr, weil man vergessen hat, wie es geht. Mit der Zerstörung der Hirnzellen ist das Wissen darüber einfach weg. Die Erkrankten leiden unter der Situation und ziehen sich immer mehr zurück, so Rosemarie Groß.

Die Erkrankung ließe sich nicht aufhalten, aber es gebe Medikamente, die die Folgen hinauszögerten, deshalb sei es wichtig, frühzeitig zum Arzt zu gehen. Ein fortgeschrittener Befall des Gehirns könne mit einer Art Computertomographie, der Hypocampus Volumetrie, entdeckt werden.

Etwa 80 Prozent der Betroffenen werden im häuslichen Umfeld gepflegt, deshalb nennt Rosemarie Groß die Krankheit auch Familienkrankheit, denn alle im Umfeld stünden unter enormer psychischer Anspannung. „Man muss den Menschen so nehmen, wie er ist, wir können ihn nicht ändern“, sagte die Referentin.

„Sein noch vorhandenes Gehirn sagt ihm, dass das, was er tut, das Richtige für ihn ist.“ Man sollte den Betroffenen freundlich gegenübertreten, das Gefühl „Ich bin bei dir“ vermitteln und auf seine Wünsche und Bedürfnisse eingehen, ihn öfters in den Arm nehmen und nichts über ihn hinweg entscheiden, sondern ihn immer mit einbeziehen. Demenzerkrankte sollten nicht allein gelassen werden, sondern in die täglichen Aufgaben eingebunden werden – „auch wenn man das dann nacharbeiten muss“, sagte die Referentin. Außerdem könnten Freunde und Nachbarn einbezogen und professionelle Hilfe genutzt werden.

Als wichtigsten Rat gab Rosemarie Groß ihren Zuhörern mit auf den Weg: „Leben Sie bitte gesund.“