DEN HAAG/BELGRAD - DEN HAAG/BELGRAD/AFP - Der in UN-Haft gestorbene jugoslawische Ex-Präsident Slobodan Milosevic hat möglicherweise mit einer eigenmächtigen Medikamenteneinnahme eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes selbst herbeigeführt. Der niederländische Toxikologe Ronald Uges sagte am Montag, Milosevic habe mit der Einnahme eines Lepra-Mittels, das die Wirkung der ihm verschriebenen Mittel gegen Bluthochdruck aufhob, eine medizinische Behandlung in Russland erzwingen wollen.

Milosevics Partei SPS drohte mit dem Sturz der Regierung in Belgrad, falls der frühere Serbenführer nicht im Beisein seiner Familie in Serbien beigesetzt werden könne. Der Anwalt von Milosevics Witwe Mira Markovic beantragte die Aufhebung des Haftbefehls gegen sie.

„Er hat Rifampicin eingenommen, ein Medikament, das die Wirkung von Mitteln gegen Bluthochdruck aufhebt“, sagte Uges. „Ich bin sicher, dass er das Medikament einnahm, weil er eine Fahrt nach Moskau wollte“, so der Toxikologe weiter. Milosevic hatte beim UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag vergeblich beantragt, sich im Moskauer Herzzentrum behandeln lassen zu dürfen.

Am Sonnabend war der wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermordes angeklagte Milosevic tot in seiner Zelle im UN-Gefängnis in Scheveningen aufgefunden worden. Die niederländische Staatsanwaltschaft gab die Leiche des Verstorbenen am Montag frei. Der serbische Präsident Boris Tadic schloss ein Staatsbegräbnis, wie es die Familie wünscht, bereits aus.