DEN HAAG - Der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi und zwei seiner engsten Verbündeten werden jetzt als mutmaßliche Kriegsverbrecher weltweit mit Haftbefehl gesucht.

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag erließ am Montag Haftbefehle gegen Gaddafi (69), dessen Sohn Saif al-Islam (39) und Geheimdienstchef Abdullah Senussi (62), einen Schwager Gaddafis. Die IStGH folgte der Staatsanwaltschaft, die dem Trio Morde an Hunderten Zivilisten, Folter, militärische Gewalt gegen Zivilisten und organisierte Massenvergewaltigungen vorwirft.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) und seine Kollegen in London und Rom begrüßten die Entscheidung ebenso wie Vertreter der Aufständischen. Nach Ansicht von NATO-Generalsekretär Rasmussen verstärkt der Haftbefehl „die Gründe für den Einsatz der NATO zum Schutz der Zivilbevölkerung“.

Die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft seien so schwerwiegend und nachvollziehbar, dass Haftbefehle gerechtfertigt seien, urteilte die IStGH-Prüfkammer unter Vorsitz der aus Botswana stammenden Richterin Sanji Mmasenono Monageng.

Chefankläger Luis Moreno-Ocampo hatte bei der Beantragung am 16. Mai geltend gemacht, dass Gaddafi, sein Sohn und sein Schwager im strafrechtlichen Sinne persönlich für die Verbrechen verantwortlich seien.