DEN HAAG - Kein roter Teppich, kein Blitzlichtgewitter, sondern nur ein kahler Zeugenstand: Vor dem Kriegsverbrecher-Tribunal für Sierra Leone bestätigte das britische Topmodel Naomi Campbell, vor 13 Jahren in Kapstadt Diamanten geschenkt bekommen zu haben, die „angeblich“ von Ex-Diktator Charles Taylor stammten. Sie könne aber nicht sagen, ob die „schmutzig aussehenden Steine“ im September 1997 tatsächlich von dem damaligen Präsidenten Liberias in ihr Zimmer geschickt worden seien, erklärte Campbell am Donnerstag vor dem Sondergerichtshof in Leidschendam bei Den Haag.
Für die Staatsanwaltschaft erwies sich die Aussage der 40-jährigen Britin als weitgehend enttäuschend. Chefanklägerin Brenda Hollis hatte offensichtlich vor, Taylor mit dem „Supermodel als Superzeugin“ der Lüge zu überführen.
Doch während des Kreuzverhörs im Gerichtssaal des Sierra-Leone-Tribunals, der früher einmal die abhörsichere Turnhalle der Zentrale des niederländischen Geheimdienstes war, wirkte die Staatsanwältin zermürbt. „Trifft es nicht zu, dass Ihre Aussage heute wegen Ihrer Angst vor Charles Taylor nicht ganz wahrheitsgetreu ist?“, fragte sie die ebenso schöne wie kühl wirkende Zeugin. Campbells kurze Antwort: „Nein, das ist nicht korrekt.“
Laut Anklage wurde Taylor einst mit Rohdiamanten von blutrünstigen Rebellen in Liberias Nachbarland Sierra Leone für Waffenlieferungen bezahlt. Er habe hunderte Millionen Dollar kassiert und den Krieg geschürt, der ihn reich machte. Scheinbar ungerührt, aber hochkonzentriert verfolgte Taylor das Kreuzverhör des Models.
Sein eleganter dunkelgrauer Streifenanzug und die graue Seidenkrawatte zum weißen Hemd wirkten wie aus Londons Edelschneidergasse Savile Row – und standen dem elegant schlichten Outfit des Models in nichts nach. Stets hatte Taylor auf seine Unschuld gepocht. Niemals habe er Diamanten bekommen, und die „ganze Campbell-Story“ sei „totaler, totaler Nonsens“, sagte er im Zuge der im Juli 2009 begonnenen Beweisaufnahme. Dabei kann er nun wohl bleiben.
