DEN HAAG - Der mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladic ist nach 16-jähriger Flucht und seiner Auslieferung von Belgrad an das UN-Tribunal in Den Haag erstmals vor seine Richter getreten. „Ich bin General Ratko Mladic“, stellte er sich dem Vorsitzenden Richter, dem Niederländer Alphons Orie, am Freitag vor. „Ich will nicht, dass man mir die Anklage vorliest“, sagte der frühere Militärchef der bosnischen Serben im Bürgerkrieg (1992-1995).
Dennoch bestand Orie darauf, wenigstens eine Zusammenfassung der elf Anklagepunkte vorzulesen. Dem Angeklagten werden „Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verstöße gegen die Gesetze und Regeln der Kriegsführung“ vorgeworfen. „Ich muss das gut durchlesen“, reagierte Mladic auf die Vorwürfe. Es seien „monströse Worte“ gefallen, „von denen ich noch nie gehört habe“. „Ich habe mein Volk und mein Land verteidigt“, sagte er.
Mladic wird vor allem für das Massaker von Srebrenica verantwortlich gemacht. Dabei wurden rund um den 15. Juli 1995 bis zu 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet. Mladic zeigte sich überzeugt, seine Unschuld beweisen zu können: „Ich will noch meine Freiheit erleben“, sagte er. Die Verhandlung wurde auf den 4. Juli vertagt.
„Ich bin ein schwer kranker Mann“, sagte der Ex-General zu Beginn des Prozesses mit schwerer Stimme. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit berichtete Mladic dem dreiköpfigen Richtergremium, dem auch der Deutsche Christoph Flügge und der Südafrikaner Bakone Moloto angehören, über seinen Gesundheitszustand. Sein Belgrader Anwalt hatte behauptet, Mladic leide an Lymphdrüsenkrebs und könne die Verhandlung nicht überleben. Das Tribunal bestritt diese Angaben.
