DEN HAAG - Milan Milutinovic, der von 1997 bis 2002 serbischer Präsident war, ist am Donnerstag vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag vom Vorwurf der persönlichen Verantwortung für die gewaltsame Vertreibung Hunderttausender Albaner aus dem Kosovo freigesprochen worden. Fünf weitere Angeklagte, die auch zum Regime des einstigen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic gehört hatten, erhielten Haftstrafen zwischen 15 und 22 Jahren.

Sie wurden damit für ihre jeweilige Rolle bei der vor einem Jahrzehnt mit Massenmorden und Vergewaltigen durch serbische Truppen systematisch betriebenen Terrorkampagne gegen Kosovo-Albaner bestraft.

Das eigens zur Ahndung von Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien geschaffene UN-Sondertribunal sah aber die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen Milutinovic (66) als nicht hinreichend bewiesen an, erklärte Richter Lord Iain Bonomy. Milutinovic habe offenbar „keine direkte Kontrolle“ über Truppen gehabt, von denen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt wurden.

Ziel der Gräueltaten im Kosovo sei es gewesen, die serbische Kontrolle über die Provinz gegen albanische Unabhängigkeitsbestrebungen durchzusetzen, sagte der Richter. Auch Milosevic war dafür vor dem UN-Tribunal angeklagt, jedoch 2006 in der Untersuchungshaft in Den Haag gestorben. Die Gräueltaten serbischer Truppen wurden erst durch drei Monate währende Bombenangriffe der NATO beendet. Danach zogen sich die serbischen Einheiten ab Juni 1999 aus dem Kosovo zurück.

Zu jeweils 22 Jahren wurden der frühere serbische Geheimdienstchef Sreten Lukic (53), der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident Jugoslawiens Niko Sainovic (60) und der serbische Armee-Kommandeur Nebosa Pavkovic (62) verurteilt. Gefängnisstrafen von 15 Jahren erhielten der frühere Verteidigungsminister Dragoljub Ojdanic (67) und der Kommandeur Vladimir Lazarevic (59).

Die Staatsanwaltschaft hatte allen sechs Angeklagten persönliche Verantwortung für das Entfachen der Terrorkampagne im Kosovo vorgeworfen. Dort hätten von den Angeklagten kontrollierte jugoslawisch-serbische Truppen „systematisch Städte und Dörfer beschossen, Häuser und Wirtschaften niedergebrannt, kulturelle und religiöse Einrichtungen zerstört“.