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NWZonline.de Nachrichten Politik

Das sagt ein Ethik-Professor zum Fall Brückmann

13.02.2017

Oldenburg Klare Leitlinien für höchste Integrität – so heißt es auf den Internetseiten der EWE zum Thema Compliance. Die Aufgabe von Compliance liegt darin, regelkonformes Verhalten in einem Unternehmen sicherzustellen. Nicht erst seit dem VW-Skandal sollte klar sein, dass es sich hierbei um eine wichtige Aufgabe handelt. Unternehmen, welche diese Aufgabe nicht bewältigen können, werden langfristig scheitern.

Allerdings ist es mit der Befolgung von Regeln so eine Sache. Regeln sind in unserem Alltag allgegenwärtig – angefangen von Tischmanieren über die Normierung von Schraubengrößen bis hin zu gesetzlichen Vorgaben für Arbeitspausen. Die meisten Menschen, den Autor dieser Zeilen eingeschlossen, brechen beim Gedanken an die Vielzahl der einzuhaltenden Regeln nicht gerade in Jubelstürme aus. Die Befolgung von Regeln kostet oftmals Zeit und macht Dinge komplizierter. Und dennoch sind Regeln wichtig. Ihr Sinn liegt darin, Erwartungssicherheit und Verlässlichkeit zu schaffen, indem sie das Verhalten von anderen Akteuren berechenbar machen. Der Wert hiervon wird deutlich sichtbar in Ländern, in denen grundlegende Regeln nicht funktionieren oder gar fehlen.

Für Unternehmen sind Regeln wichtig, weil sie das Verhalten der Mitarbeiter kanalisieren. Sie sorgen dafür, dass ein Unternehmen im Einklang mit allgemein anerkannten Normen und Gesetzen handelt, und sie sichern ein konsistentes Auftreten. Regeln sind die Basis, damit ein Unternehmen als guter Partner wahrgenommen wird, mit dem man es – sei es als Mitarbeiter, Kunde oder Nachbar – gerne zu tun hat. Regeln tragen dazu bei, dass ein Unternehmen Vermögenswerte wie Vertrauenswürdigkeit, Reputation und Integrität aufbauen und bewahren kann. Hierfür müssen Regeln indes nicht nur auf dem Papier existieren, sondern auch gelebt werden.

Unternehmensverfehlungen sind typsicherweise Resultat eines Compliance-Problems. Letzteres wird meist nicht durch zu wenig Regeln bedingt, sondern durch eine fehlende Bindungswirkung von existierenden Regeln. Gerade weil die Befolgung von Regeln für den Einzelnen immer mit Kosten einhergeht, ist es wichtig, dass der (Mehr-)Wert von Regeln gesehen werden kann. Werden Regeln unternehmensintern lediglich als ungeliebte Restriktion verstanden, so werden sie das Verhalten von Mitarbeitern nicht verlässlich lenken. Es liegt im Verantwortungsbereich von Managern, daran mitzuwirken, dass Mitarbeiter Regeln internalisieren und ihren Sinn nachvollziehen können. Für die Funktionsfähigkeit von Regeln ist es wichtig, dass sie verbindlich sind und auch als verbindlich wahrgenommen werden. Ein Manager, der sich nicht an existierende Regeln hält, ist für jedes Unternehmen ein Problem, da so die Botschaft vermittelt wird, die Gültigkeit von Regeln unterliege einem individuellen Ermessensspielraum. Oder einfach formuliert: Wieso sollte ich mich an Regeln halten, wenn es mein Chef nicht tut? Eine solche Wahrnehmung unterminiert jedes Compliance-System. Angemerkt sei, dass es unerheblich ist, ob gegen eine Regel im formaljuristischen Sinne verstoßen wird oder nur nicht im Sinne von existierenden Regeln gehandelt wird. Beides verhindert, dass Regeln in einem Unternehmen gelebt werden. Von einem Manager kann daher erwartet werden, dass er auch Richtlinien proaktiv berücksichtigt, welche erst in naher Zukunft in Kraft treten.

Vor dem Hintergrund der bisherigen Ausführungen ist es zu begrüßen, dass das EWE-Aufsichtsratspräsidium eindeutig Stellung bezogen und die Abberufung des derzeitigen Vorstandschefs empfohlen hat. Dies ist ein wichtiges Signal nach innen. Es stellt die Bedeutung von Regeln bei EWE heraus und unterstreicht, dass Regelverstöße nicht akzeptiert werden. Zugleich wirkt die Empfehlung des Aufsichtsrats nach außen und transportiert das Versprechen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um zukünftigen Regelverletzungen entgegenzuwirken.

Für die EWE ist die Sache noch lange nicht ausgestanden. Viel wird davon abhängen, welche Lehren man aus der Affäre zieht. Mitarbeiter, Kunden, Politik und weitere Stakeholder erwarten zu Recht, dass es zu Veränderungen kommt. Und diese Veränderungen müssen mehr sein als der Austausch von Personen. Damit die EWE seinem eigenen Anspruch – höchste Integrität – gerecht werden kann, bedarf es sowohl Änderungen in der Organisation als auch bei der Aufsichtsratsarbeit.

Die anstehenden Aufgaben sind gewiss nicht einfach für die EWE, zumal das Unternehmen auch andere Herausforderungen zu bewältigen hat. Gleichwohl ist es im aufgeklärten Interesse der EWE, die Sache ernst zu nehmen. Die Spendenaffäre kann gar zu einer Chance werden, da sie einen Rückenwind mit sich bringt, um notwendige Veränderungen in der Organisation anzustoßen. Es ist dem Unternehmen daher zu wünschen, dass es das aktuelle Momentum richtig nutzt, damit Mitarbeiter und die Region wieder sagen können: Wir sind stolz auf unsere EWE.

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