Die Anteilnahme ist wirklich überwältigend. Unzählige Bürger, Kirchenvertreter, Menschenrechtler und auch einige Politiker kämpfen für Zahra Kameli, die in Todesgefahr schwebt, sollte sie tatsächlich an den Iran ausgeliefert werden. Es wäre fatal, sollte dieser Kampf umsonst sein.

Man male sich nur folgendes Bild aus: Die 24-jährige Iranerin wird nach wochenlangem Widerstand und gegen alle Befürchtungen unter großer Medienbegleitung nach Teheran geflogen – und dort anschließend hingerichtet oder gesteinigt. Wer möchte die Schuld auf sich nehmen: die Bundesregierung, die niedersächsische Landesregierung, die befassten Innenminister, der Landkreis Goslar oder vielleicht Richter?

Wie würde im übrigen die Weltöffentlichkeit Deutschland sehen? Wohl als herzloses Land, in dem Menschlichkeit nichts zählt. Der internationale politische Schaden wäre immens und würde auf Jahre nachwirken.

Und noch ein Hinweis: Während Zahra Kameli zur Zeit voller Angst in einem hessischen Krankenhaus auf die weiter drohende Abschiebung wartet, bleiben fast 200 000 Asylbewerber unbehelligt, die ihre Ausweispapiere weggeworfen haben. Sie sind sicher, sie können nicht in die Heimat abgeschoben werden. Die Iranerin schon. Weil sie ehrlich ist und eine Identität besitzt. Welche Ungerechtigkeit.

Nein, Zahra Kameli darf nicht ausgewiesen werden. Wir sind stolz auf ein Asylrecht, das politisch und religiös Verfolgten Schutz gewährt. Jemanden an ein islamisches Land auszuliefern, das die grausame Scharia zum Recht erhebt, widerspricht dem Geist unseres Grundgesetzes.

Umso unverständlicher, wie erbarmungslos Ämter, Behörden und Richter eine Auslieferung der Iranerin betrieben haben.

Niemand soll sein Gesicht verlieren, niemand am Pranger stehen. Damit ist Zahra Kameli nicht geholfen.

Die Frau braucht einfach ein Bleiberecht. Möglichst bald. Weil es einfach menschlich ist.

 Den Autor erreichen Sie unter Reichenbachs@infoautor.de