Navigation überspringen
nordwest-zeitung
ePaper Newsletter App Jobs Immo Trauer Shop

Nachruf Der Mann der vielen Ehrenämter

Großenkneten - Ein Leben für die Gemeinschaft und für das Gemeinwohl ist zu Ende gegangen. Am Freitagmorgen ist Heinz Heinsen im Alter von 79 Jahren in seinem Haus in Großenkneten gestorben. Die Gemeinde Großenkneten trauert um ihren ersten Ehrenbürger, den sie erst vor vier Monaten bei einer Feierstunde im Rathaus ernannt hatte. Wie kaum ein Zweiter hat sich der Altbürgermeister (1990-2001) jahrzehntelang für die politische und die evangelische-lutherische Gemeinde, den Landkreis Oldenburg, die SPD und viele andere ehrenamtliche Aufgaben eingesetzt. Nicht wenige fragten sich, wie der Großenkneter das alles geschafft hat. Nicht zuletzt war es seine Frau Heidrun, die ihm stets den Rücken frei hielt, wie Heinz Heinsen zuletzt mehrfach betont hat.

Bundesverdienstkreuz

Die Liste der Ehrungen ist lang, die er für sein großes Engagement erhielt, das gepaart war mit hoher Kompetenz, großer Erfahrung und Fairness. Die höchsten Auszeichnungen von Gemeinde und Landkreis, die Willy-Brandt-Medaille als höchste Ehrung seiner SPD und viele weitere Würdigungen – auch das Bundesverdienstkreuz am Bande. Und doch war die Verleihung der Ehrenbürgerschaft im vergangenen Jahr etwas ganz Besonderes. Als Heinsen erfuhr, was die Parteifreunde hinter seinem Rücken angeschoben hatten, war er sehr gerührt. Auch wenn Heinsen mit seiner klaren Art durchaus mal anderen auf die Füße treten konnte, gab es im Großenkneter Rat nur Zustimmung zu dieser Idee.

Als am 15. Dezember die feierliche Übergabe der Urkunde im Ratssaal erfolgte, da war es für den von der Krankheit schon gezeichneten 79-Jährigen ein Moment, der ihn sichtlich bewegte. „Ich bin irgendwie überwältigt“, sagte er nach der Übergabe der Urkunde durch Bürgermeister Thorsten Schmidtke.

Heinsen, am 26. Juni 1937 in Delmenhorst geboren, war nach einer kaufmännischen Lehre bei der Landesversicherungsanstalt Oldenburg-Bremen angefangen. Hier blieb er bis zur Pensionierung. Als 15-Jähriger startete er seine Ehrenamtskarriere. Er wurde Jugendgruppenleiter in Huntlosen – sein erstes kirchliches Ehrenamt. Acht Jahre später wurde er schon in die Synode des Kirchenkreises Wildeshausen berufen. 1972 gründete er den Seniorenkreis der ev.-luth. Gemeinde Großenkneten. Wer hätte gedacht, dass er ihn mehr als 40 Jahre leiten würde?

44 Jahre im Rat

1970 trat er in die SPD ein. Willy Brandt war ein Jahr zuvor Kanzler geworden. 1972 rückte Heinsen erstmals in den Rat der Gemeinde Großenkneten ein und blieb bis Oktober 2016. 1990 wurde er ehrenamtlicher Bürgermeister, im Anschluss Ratsvorsitzender bis 2016. „Er hat die Gemeinde über viele Jahre in besonderer Weise repräsentiert“, heißt es im Nachruf des Ratvorsitzenden Torsten Deye und von Bürgermeister Thorsten Schmidtke. Die Heimat stand bei Heinsen an erster Stelle und dafür setzte er sich mit ganzer Kraft auf allen Gebieten ein. Dass er die Kreispolitik auch noch für sich entdeckte und von 1981 bis 2011 im Kreistag saß, war für den leidenschaftlichen Kommunalpolitiker fast zwangsläufig.

Der politische Bereich ist die eine Seite, der kirchlich-soziale die andere. In der Kirchengemeinde hatte er das Ehrenamt für sich entdeckt, später 41 Jahre im Gemeindekirchenrat gewirkt. Auch in der Landeskirche engagierte er sich. In seine Zeit als Präsident der Synode der oldenburgischen Kirche 1994 bis 2007 habe Heinsen sich für die nötigen strukturellen, aber insbesondere die theologischen Reformen eingesetzt, betont Synodenpräsidentin Sabine Blütchen in einer Würdigung. „Das Abendmahl mit Kindern und die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare wurden unter seinem Vorsitz verabschiedet“, schreibt sie. Bereits 1980 war der Großenkneter Mitglied der Synode geworden. Darüber hinaus vertrat er die oldenburgische Kirche viele Jahre auch in der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Der Großenkneter war Vorsitzender des Kreisdiakonischen Werkes Oldenburg, Mitglied der Diakonischen Konferenz und des Aufsichtsrates des Diakonischen Werkes der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg sowie Vorsitzender des Kuratoriums Blockhaus Ahlhorn. 1979 gründete er die Diakonie-Sozialstation Großenkneten-Wardenburg.

Überzeugter Europäer

Nach und nach hatte Heinsen in den vergangenen Jahren ein Amt nach dem anderen abgegeben, so zuletzt die Funktion des Schiedsmanns der Gemeinde. Nur eines hatte er bis zu seinem Tode inne: den Vorsitz des Partnerschaftsausschusses der Gemeinde Großenkneten. Das hat Symbolcharakter. Die Partnerschaften mit Evergem in Belgien und später mit Suprasl in Polen lagen ihm sehr am Herzen. Es war bezeichnend, dass mit Marek Szutko aus Suprasl/Polen und Roland Snauwaert und Filip Huysman aus Evergem/Belgien die Partnergemeinden bei der Verleihung der Ehrenbürgermeister vertreten waren. In den Partnerkommunen war Heinsen stets als Motor der Partnerschaft wahrgenommen und geschätzt worden.

Die Trauerandacht für Heinz Heinsen beginnt am Donnerstag, 30. März, 11 Uhr, in der St.-Marien-Kirche Großenkneten. Heinsen hinterlässt Ehefrau Heidrun, drei Kinder und fünf Enkel.

Ulrich Suttka
Ulrich Suttka Kanalmanagement
Artikelempfehlungen der Redaktion

Neues vom Festival-Line-up Hyper, Hyper – Scooter kommt zum Tabularaaza nach Oldenburg

Patrick Buck Oldenburg

Sparkasse in Oldenburg Warum die LzO rund 22.000 Kunden kündigt

Svenja Fleig Im Nordwesten

Hausbesetzung in Oldenburg Polizei trägt Aktivisten aus dem Gebäude

Wolfgang Alexander Meyer Oldenburg

Meppens Routinier Krämer trifft auf Oldenburgs Rookie Fossi Derby wird auch zum Duell der Trainer-Typen

Lars Blancke Oldenburg

Alte Molkerei in Jever Mach’s gut, altes Haus

Oliver Braun Jever
Auch interessant