Nordenham - Karin Springer kennt einen Mann, der sich den Himmel an die Decke seines Schlafzimmers gemalt hat. Er hat viele Jahre auf der Straße gelebt. Inzwischen ist er sesshaft geworden. Aber das ist nicht so einfach. Wer in einer Wohnung lebt, muss sich an Regeln halten. Er muss mit den Nachbarn klarkommen, er muss den Müll rausbringen, er muss sich mit Vermietern und Behörden auseinandersetzen. Manchmal ist es die Einsamkeit, die den Menschen zu schaffen macht, die jahrelang Gesellschaft gewohnt waren, wenn sie abends in ihren Schlafsack gekrochen sind, weiß Ingrid Korte.
Hilfe für Wohnungslose
Den Menschen zu helfen, die dieses Leben satt haben, gehört zu ihren Aufgaben. Die Diplom-Pädagogin arbeitet gemeinsam mit ihrer Kollegin Gisela Rosenboom in der Ambulanten Wohnungslosenhilfe der Diakonie an der Friedrich-Ebert-Straße 89. Im selben Gebäude betreibt Sozialarbeiterin Karin Springer den Tagesaufenthalt für Wohnungslose der Diakonie. Beide Einrichtungen laden für diesen Mittwoch zu einem Tag der offenen Tür ein. Von 10 bis 16 Uhr können sich alle Interessierten in den Räumen umschauen und sich über die Arbeit, die hier geleistet wird, informieren.
Karin Springer ist für viele Menschen, die keine feste Bleibe haben, die erste Ansprechpartnerin in Nordenham. Abgesehen von den Menschen, die aus freien Stücken das Leben auf der Straße gewählt haben, gibt es viele Obdachlose, die ungewollt in diese Situation geraten sind. Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein: Jobverlust, Scheidung, Mietschulden, Alkohol, Krankheiten oder ein Unfall. Karin Springer hat schon viele Geschichten gehört. Gerade in jüngster Zeit hat sie immer öfter mit jungen Leuten zu tun, die mit dem Leben in den eigenen vier Wänden nicht zurechtkommen.
Der Tagesaufenthalt ist montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr geöffnet. Hier können sich die Wohnungslosen aufwärmen, Kaffee trinken und sich austauschen. Außerdem bietet ihnen Karin Springer eine Beratung an. Sie vermittelt Hilfsangebote, je nachdem, was benötigt wird. Außerdem sichert sie für die Hilfesuchenden die postalische Erreichbarkeit. Die ist Voraussetzung für den Bezug von Hartz IV.
Ausweg Straße!?
Ein Schwerpunkt in der Arbeit von Ingrid Korte ist es, den Wohnungslosen zu helfen, wenn sie den Wunsch haben, sesshaft zu werden. „Oft sind es gesundheitliche Gründe, weshalb die Menschen ihr Leben auf der Straße aufgeben“, sagt Ingrid Korte. Die Menschen, mit denen sie es zu tun hat, sind im Durchschnitt etwa 50 Jahre alt. Viele von ihnen hatten früher Familie und eine gut bezahlte Arbeit, bis es zu einem Bruch in der Biografie kam. Die Geschichten sind so unterschiedlich wie die Menschen. Einige dieser Geschichten können die Besucher in einer Ausstellung mit dem Titel „Ausweg Straße!?“ nachvollziehen, die beim Tag der offenen Tür zu sehen ist.
