Westerstede - „Wir sind mit Herzblut dabei und möchten die Mobilitätszentrale eigentlich weiterführen – für Westerstede und die Kunden“, erklären Elke Tapken, Gabi Döpke und Marlies Meynen stellvertretend für die insgesamt sieben ehrenamtlichen Beraterinnen, die ihre Aufgaben derzeit ruhen lassen.
Autoritärer Umgangston
Grund waren, wie berichtet, Unstimmigkeiten zwischen ihnen und dem Vorsitzenden des Bürgerbus-Vereins, Jens Rowold, über dessen autoritären Führungsstil. Das Beratungsangebot in der Mobilitätszentrale mit Ticketverkauf für Bus und Bahn wird derzeit von ihm und einer weiteren Mitarbeiterin aufrechterhalten.
Die Frauen unterstrichen in einem Gespräch mit der NWZ, dass sie kein Interesse daran hätten, eine gut funktionierende Einrichtung zu gefährden. Sie seien schon lange und mit Freude dabei. Für die verantwortungsvolle ehrenamtliche Aufgabe hätten sie sich viel Wissen angeeignet. Allein die Einarbeitungszeit benötige mehrere Monate, rechnet Marlies Meynen vor. „Es müssen erst einmal alle Vorgänge durchprobiert werden. Auch bei der Beratung der Kunden ist am Anfang immer jemand dabei, der sofort Fragen beantworten kann“, erzählt sie. Alle sieben Mitarbeiterinnen seien ein eingespieltes Team, das sich die Dienste untereinander aufgeteilt und sogar die Urlaube aufeinander abstimmt habe.
Allerdings hätten sich die zwischenmenschlichen Probleme immer weiter zugespitzt, so dass sie ein Zeichen setzen wollten. „Es war keine Kurzschlusshandlung. Wir haben immer wieder das Gespräch gesucht, aber es wurde nicht besser. Als Ehrenamtliche möchte man gehört und gefragt werden. Man möchte mitgenommen und in Entscheidungen eingebunden werden“, erklärt Gabi Döpke.
Fass übergelaufen
Sie hatte bei der Jahreshauptversammlung für das Amt der stellvertretenden Vorsitzenden kandidiert. Denn, wie die drei Frauen unterstreichen, sollte eine Vertreterin der Mobilitätszentrale in den Vorstand gewählt werden, um die Einrichtung dort zu vertreten. Als dann ein anderer Kandidat das Amt antrat, sei das der sprichwörtliche Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Daraufhin hätten sich die Frauen entschlossen, ihre Aufgabe als Beraterinnen erst einmal ruhen zu lassen. „Danach wurden wir schriftlich aufgefordert, den Schlüssel und die Unterlagen abzugeben. Es gab kein Gespräch“, sagt Elke Tapken.
Inzwischen aber gab es, wie Bürgermeister Klaus Groß bestätigt, immerhin einen Vermittlungsversuch der Stadt Westerstede, die die Mobilitätszentrale finanziell unterstützt. Das Gespräch sei jedoch „unbefriedigend“ verlaufen, resümiert Groß.
Die Frauen hätten einen Vorschlag zur Satzungsänderung dabei gehabt, womit der Mobilitätszentrale mehr Eigenständigkeit und Mitspracherecht im Bürgerbus-Verein eingeräumt werden sollte. Es sei aber zu keiner Annäherung gekommen. Er habe gehofft, dass das Papier Diskussionsgrundlage für einen Kompromiss sein könnte. „Ich hoffe nun, dass der Vorstand die Anregungen mitnimmt und zumindest darüber nachdenkt. Es ist doch schade, dass eine beispielhafte Initiative durch zwischenmenschliche Probleme beeinträchtigt wird“, so Groß.
Immerhin habe Vorsitzender Jens Rowold zugesichert, dass der Betrieb der Mobilitätszentrale aufrechterhalten werde.
