Der Klima-Gipfel in Paris ist mit einem als historisch geltenden Abkommen erfolgreich beendet worden. Dazu ein Gespräch mit Hartmut Lammert, Sprecher des Ganderkeseer Aktionsbündnisses „Prima Klima“.

Herr Lammert, viele Umweltverbände feiern das Ergebnis von Paris als Erfolg – Sie auch?

LammertEs ist ein großer Fortschritt im Vergleich mit vorherigen Gipfeln. Jetzt gibt es immerhin ein Raster, an dem man sich entlang hangeln kann.

Das hört sich noch nicht euphorisch an . . . 

LammertBedauerlicherweise sind die Zielsetzungen nicht mit Sanktionen verbunden. Und ich beklage sehr, dass jetzt schon wieder Industrieverbände wie die deutsche Chemiewirtschaft aufbegehren und auf Wettbewerbsnachteile hinweisen. Die wollen immer noch nicht einsehen, dass es fünf vor Zwölf ist und wir mit 200 km/h auf eine Wand zurasen. Meine Sorge ist, dass letztlich die Regierungen wieder vor den Lobbyisten einknicken.

Wo sehen Sie die positiven Effekte von Paris?

LammertGanz eindeutig darin, dass so viele Nationen die Einigung mittragen – auch die großen wie die USA und China. Aber wenn ich dann höre, dass die Republikaner in den USA alles wieder zurückdrehen wollen, bleibt natürlich viel Skepsis. Es ist eine Schande, dass diese Leute immer noch nicht einsehen, wie dramatisch die Lage ist.

Ist das Ergebnis von Paris trotzdem eine Motivation für die Arbeit lokaler Klimabündnisse wie Ihres?

LammertNatürlich ist das eine große Motivation. Aber kein Grund, sich zufrieden zurückzulehnen.

Was können und wollen Sie tun, um vor Ort zum Erreichen der Klimaziele beizutragen?

LammertAufklären, immer wieder aufklären. Bedauerlicherweise denken zu viele Menschen, wir hätten noch Zeit. Aber es ist so, wie Bundeskanzlerin Merkel gesagt hat: Wir sind die erste Generation, die den Klimawandel zu spüren bekommt – und die letzte, die daran noch etwas ändern kann.

Was ist dabei das Wichtigste?

LammertDass wir unsere Ansprüche herunterschrauben und unser Denken und Handeln komplett umkrempeln. Darunter muss nicht mal der Lebensstandard leiden. Warum zum Beispiel brauchen wir in einem Wohngebiet mit 70 Einfamilienhäusern 70 Rasenmäher? Ich höre immer wieder den Satz: „Was hilft schon das bisschen, das ich tun kann?“ Wenn alle in diesem Land nur ein bisschen machen würden, könnten wir gleich zwei bis drei Kraftwerke abschalten.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)