Tossens - „Wir brauchen Aktivitäten in der Gemeinde und dafür auch Investoren. Mir wären deshalb zehn solcher Investoren in einem Jahr lieber als nur einer in zehn Jahren“, machte Bürgermeister Rolf Blumenberg deutlich. Er sprach damit während der jüngsten Ratssitzung das Schlusswort in der Diskussion um den geplanten Bau von zwei neuen dreigeschossigen Gebäuden mit 40 Ferienwohnungen auf dem Areal des „Butjenter Küstenmarktes“ an der Tossenser Strandallee.
Das gemeinsame Bauvorhaben des Grundstückseigentümers Jens Hillers und des Investors Bernd Plückebaum, für das der Gemeinderat per Mehrheitsentscheidung das Verfahren zur Änderung des Bebauungsplanes für den ehemaligen Sportplatz der Zinzendorfschule beschloss, löste eine Debatte nicht nur um bautechnische Fragen aus.
Sünde nicht wiederholen
Gegen neue Ferienwohnungen sei nichts einzuwenden, wohl aber gegen die geplanten Flachdächer der beiden Gebäude, machte Grünen-Fraktionschef Jürgen Sprickerhof deutlich. Zwar gebe es in der Tossenser Strandallee bereits Flachdachbauten, jedoch müssten die Sünden der Vergangenheit ja nicht wiederholt werden.
Zudem lehnte Jürgen Sprickerhof, der auch Vorsitzender der Tourismus-Gesellschaften ist, eine Entscheidung unter Zeitdruck ab. Den sah er dadurch gegeben, dass die Ratssitzung unmittelbar nach der Tagung des Planungs- und Umweltausschusses, in dem das Projekt erstmalig vorgestellt wurde, stattfand. „Wir sind nicht dazu da, die Wünsche eines Investors umzusetzen, sondern zum Wohle der Gemeinde zu planen“, sagte Jürgen Sprickerhof.
Auch Lambertus Poll, Vorsitzender der Fraktion der Unabhängigen, bemängelte die „recht dürftige Information“ durch einen nur vierzeiligen Antrag des Grundstückeigentümers (Jens Hillers). Distanziert reagierte Lambertus Poll auch auf die Information, dass Bernd Plückebaum der Investor des Projekts ist. Der sei ja kein Wohltäter, sondern ein Geschäftsmann kommentierte der Unabhängige.
Grüne und Unabhängige votierten in der Ratssitzung dann auch geschlossen gegen die Einleitung des Verfahrens zur Änderung des Bebauungsplanes, die die Realisierung des Bauvorhabens ermöglichen soll.
Viel für Tossens getan
Ohne Bernd Plückebaum – der Kaufmann aus Osnabrück hat in Tossens unter anderem den heutigen Center Parcs Nordseeküste und die Ferienhausanlage Aida-Park initiiert und vermarktet – wäre die Entwicklung von Tossens zum Touristenzentrum nicht möglich, brach Jens Hillers eine Lanze für seinen künftigen Geschäftspartner.
CDU-Ratsherr Christoph Muth, Direktor den Center Parcs, erinnerte daran, dass Investoren in Butjadingen ja nicht Schlange stehen würden. Im Gegenteil, für andere Projekte würde ja noch Investoren gesucht.
Nur, weil einem die Nase nicht passe, könne man einen Investoren nicht ablehnen, sagte SPD-Fraktionschef Dieter Kuhlmann. Er und auch sein CDU-Amtskollege Matthias Schmitz schlugen vor, die erforderliche Änderung des Bebauungsplanes grundsätzlich zu beschließen, die Wünsche der Gemeinde hinsichtlich der optischen und architektonischen Gestaltung der Gebäude in einem städtebaulichen Vertrag zu regeln. So wurde dann auch beschlossen.
Uta Meiners und Jannes Bergsma (beide FDP-Fraktion) unterstützten ebenfalls das Bauvorhaben. Damit werde ein Lücke an der Tossenser Strandallee geschlossen. Zudem sei es zu begrüßen, wenn Investoren in Butjadingen ihr Geld ausgeben möchten. Davon werde nicht nur der ja auch zu einem Risiko bereite Investor, sondern auch die Gemeinde sowie Handel und Handwerk in Butjadingen profitieren, so Bürgermeister Rolf Blumenberg.
