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NWZonline.de Nachrichten Politik

„die Partei“ In Der Analyse: Sonneborn nur ein Politclown?

06.06.2019

Es war einer der ersten Facebook-Postings nach der Bekanntgabe des Ergebnisses der Europawahl in Deutschland: „2,4 Prozent für eine Partei, die keine Politik macht – und das bei höherer Wahlbeteiligung: Was müssen wir in Deutschland doch für Probleme haben“, schrieb ein anonymer Nutzer. Mit zwei Abgeordneten zieht „Die Partei“ ins neue Europäische Parlament ein. Neben dem früheren Chef des Satire-Magazins „Titanic“, Martin Sonneborn (54), wird auch der aus der ZDF-„Heute-Show“ bekannte Nico Semsrott (33) Politiker. Der Spaß geht weiter?

Als wirklich lustig empfanden nur wenige Abgeordneten-Kollegen die ohnehin begrenzten Auftritte Sonneborns in der zurückliegenden Legislaturperiode – was im Übrigen weniger an Humorlosigkeit lag, sondern an der Unmöglichkeit, Wortwitz einigermaßen angemessen in 23 Amtssprachen zu übertragen. „Wir können, was er sagt, zwar übersetzen, aber dabei geht jeder Hintersinn verloren“, sagte einer der Dolmetscher im Parlament.

Als Sonneborn die deutsche Kanzlerin nach ihrer Rede über die Zukunft der EU bat: „Wenn sie gehen, übergeben Sie unser Land besenrein. Das wäre nett. Und jetzt können Sie gehen“, verflachte die Pointe auf Englisch, Französisch oder Finnisch. Sonneborn nennt so etwas „Politik mit satirischen Mitteln“.

Als reiner Clown (Sonneborn: „Politclown bitte“) will er sich aber auch nicht verstehen. Er habe zwar nie den Anspruch gehabt, „in Brüssel politisch etwas zu erreichen“, sagte er in einem Interview für das Online-Medium „Cicero“. Dennoch betonte er zu Beginn seiner Tätigkeit als Europa-Abgeordneter, Satire sei „durchaus ein geeignetes Mittel, um junge Menschen an die Politik heranzuführen.“ Ob das reicht?

Die Bilanz des fraktionslosen Abgeordneten Sonneborn sei „überschaubar“, sagen Parlamentskollegen. Seine Anwesenheitsrate gehört nach internen Statistiken zu den niedrigsten aller deutschen Volksvertreter. An drei von vier Abstimmungen nahm er nicht teil. „Im Kulturausschuss war er als stellvertretendes Mitglied nur einmal, sonst hat er durch Abwesenheit geglänzt“, erzählt die scheidende Grünen-Europaabgeordnete Helga Trüpel.

Hinzu kam, dass er, wenn er denn schon mal abstimmte, abwechselnd mit Ja oder Nein votierte – wie Martin Sonneborn selbst bestätigte. Aus anderen Fraktionen heißt es, er sei „ein rotes Tuch“. Die bisherige SPD-Politikerin Kerstin Westphal hält Sonneborns Satire sogar „für genauso gefährlich wie die Kampagnen der Rechtspopulisten, weil er versucht, die EU von innen zu zerstören, indem er sie lächerlich macht. Und das wird auch nicht besser, wenn er das mit Spaß verkleidet.“ Wenn er in Ausschüssen auftauche, habe er oft eine Videokamera dabei, die ihn selbst filme. Trüpel: „Er ist ein großer Selbstvermarkter.“

Dabei war Sonneborn schon am Beginn der vergangenen Legislaturperiode mit seinem Plan gescheitert, die EU zu entlarven. Denn eigentlich wollte er nur kurz im Parlament bleiben, die Diäten kassieren und dann jeden Monat einem anderen Parteimitglied die Chance geben, mal vier Wochen lang Abgeordneter zu spielen. Der Plan ging nicht auf, solche Sperenzchen erlaubt die Geschäftsordnung des Hohen Hauses nicht.

Sonneborn hatte Pech: Er musste die vollen fünf Jahre bleiben. Sein Lieblingsgegner war der einzige Vertreter der rechten NPD, dem er systematisch die Redezeit im Abgeordnetenhaus wegschnappte – und sich ansonsten mit Forderungen wie einem Amazon-freien Mittwoch oder einer Faulenquote befasste. Wirklich ernsthaft wurde Sonneborn immer dann, wenn es um Abrüstung oder Entwicklungshilfe ging, das billigen ihm sogar Vertreter anderer Fraktionen zu.

Am 2. Juli kommt der aus Göttingen stammende ehemalige Journalist gestärkt nach Straßburg. Und dann? „Leute mit Witzen für Politik interessieren“ wolle er, sagte Kabarettist Semsrott in der Talkshow „Maischberger“. Und Sonneborn zeigte sich erfreut: Er werde sich jetzt fünf Jahre ausruhen und Nico die Arbeit machen lassen.

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