Mit unseren Bürgermeistern, meine ich, hatten wir in der Gemeinde Ganderkesee immer sehr viel Glück. Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre amtierte ein Bürgermeister, den ich bei der Landjugend Ganderkesee immer sehr gerne auf der Gästeliste hatte: Hans-Christian Schack. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich ihn nach langer Zeit einmal wieder treffen konnte.

Wenn ich nicht um seine gesundheitlichen Probleme wüsste, würde ich sagen: „Er hat sich fast nicht verändert“. In meinem Gespräch mit Hans-Christian Schack durfte ich noch viel Neues von ihm erfahren. Als er als kleiner Junge in Rastede zur Schule ging, hatte er zunächst nur einen Berufswunsch: Pastor! Später wurde die Seefahrt seine große Leidenschaft. Am liebsten hätte er nach der Schule gleich auf einem Schiff angeheuert, aber sein Vater bestand auf eine „vernünftige“ Ausbildung.

So erlernte er den Beruf des Starkstromelektrikers. Aber danach gab es kein Halten mehr: acht Jahre auf hoher See, als Schiffselektriker auf einem Frachtschiff. Hans-Christian Schack hat ganz viel von dieser Welt gesehen. „Wie oft bist Du denn seekrank geworden?“, war meine Frage. „Nie“, bekam ich zur Antwort.

Während dieser acht Jahre machte er einige Monate Pause und absolvierte seine Meisterprüfung. Inzwischen hatte er auch seine Inge beim Camping in Dangast kennengelernt, und als dann mit der ersten Tochter Michaela die Familie größer wurde, sagte er der Seefahrt adé und bekam das Angebot, im Berufsförderungswerk in Bookholzberg als Ausbilder zu arbeiten. Also zog die junge Familie Schack nach Bookholzberg in die Gemeinde Ganderkesee.

„Ganderkesee war mir gleich sympathisch: viel Wald, Moor, Geest, ländliche Strukturen wie bei uns in Rastede. Wir fühlten uns gleich wie zu Hause”. 1971 bauten sie ihr Haus am Friedensweg in Bookholzberg. Inzwischen war die Familie mit der zweiten Tochter Kirsten komplett. Die vier Enkel Riekje (14), Fynn (9), Levi (6) und Clara (1) sind der ganze Stolz der Großeltern Inge und Hans-Christian Schack.

Sein politisches Interesse weckte die Wahl von Willy Brandt zum Bundeskanzler. Durch Heide und Manfred Beier trat er im Januar 1971 in die SPD ein. Dann ging alles sehr schnell. 1974 wurde er über die Liste in den Kreistag gewählt. „Als Techniker und Handwerker war es für mich anfangs etwas ungewohnt, denn hier ging es doch sehr verwaltungsmäßig zu“, erzählte er mir. „Als ich 1976 in den Gemeinderat gewählt wurde, war es dort schon etwas persönlicher!“.

Insgesamt war Hans-Christian Schack zwölf Jahre im Kreistag und 25 Jahre Ratsherr der Gemeinde Ganderkesee, davon zehn Jahre (1986 bis 1996) Bürgermeister. Eigentlich hätten es noch mehr werden sollen, aber 1996 erlebte Hans-Christian Schack die wohl schwerste Stunde seiner politischen Laufbahn. Der Bürgermeister wurde zu der Zeit noch vom Gemeinderat gewählt. Die SPD hatte eine Mehrheit, also eigentlich alles reine Formsache. Zwei Fraktionskollegen verweigerten ihm ihre Stimme und wählten in geheimer Wahl den Gegenkandidaten Hans-Heinrich Hubmann. „Es war für mich eine große persönliche Enttäuschung. Ich bin sofort aufgestanden und weggegangen. Ich weiß bis heute nicht, wer die beiden Abweichler waren und ich will es auch nicht wissen, es ist abgehakt!“.

Viele Jahre (1986 bis 2003 und 2005 bis 2008) war Hans-Christian Schack Abgeordneter im niedersächsischen Landtag (MdL). Dabei hat er mit prominenten Politikern wie Gerhard Schröder oder Sigmar Gabriel eng zusammengearbeitet. Mit Gerhard Schröder pflegt er einen sehr guten Kontakt. Des öfteren hat der jetzige Alt-Kanzler Familie Schack in Bookholzberg besucht.

Fasziniert hat Schack aber auch ein anderer Politiker: Helmut Schmidt, den er auch persönlich kennen lernen durfte. „Der kann Politik erklären! Ich lese jedes Buch und jeden Artikel von ihm!“.

Wenn es die Gesundheit des 68-Jährigen zulassen würde, dann würde er noch sehr gerne in der Politik mitmischen, wie er mir versicherte. „Wie siehst Du die heutigen Politiker?“, ist meine letzte Frage. „Im Moment haben wir eine Situation, in der die Politiker die Bevölkerung nicht überall mitnimmt. Zum Beispiel die Rente mit 67. Absolut unausweichlich, aber nicht verständlich genug für den Bürger erklärt. Oder bei uns hier in der Gemeinde: Zur Verfügung stehendes Geld muss für den Schuldenabbau verwendet werden und nicht für irgendwelche Saunageschichten!“

Ich merke: Hans-Christian Schack ist voll in seinem Element und mit dem Herzen noch mittendrin im politischen Geschehen.

ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde und früherer SPD-Landtagsabgeordneter