Johannesburg - Südafrika trauert um seinen Nationalhelden - und die Welt um eine ihrer schillerndsten Persönlichkeiten: Nach langer Krankheit ist die Anti-Apartheid-Ikone Nelson Mandela am Donnerstag im Alter von 95 Jahren gestorben. „Wir haben unseren größten Sohn verloren. Unser Volk hat einen Vater verloren“, sagte Präsident Jacob Zuma am Donnerstag in einer TV-Ansprache. „Obwohl wir wussten, dass dieser Tag kommen würde, kann nichts unser Gefühl des tiefen und bleibenden Verlusts lindern“. Regierungschefs und Würdenträger in aller Welt würdigten Mandelas Lebenswerk, in Südafrika kam es zu spontanen Trauerfeiern.

Laut Zuma starb Mandela am Donnerstag gegen 20:50 Uhr „friedlich“ im Kreise seiner Familie. Der Ex-Präsident und Friedensnobelpreisträger wurde im Juni wegen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus gebracht, wo er drei Monate blieb. Seit dem 1. September war Mandela zu Hause behandelt worden. Erst am Mittwoch sagte seine Tochter Makaziwe, ihr Vater kämpfe wacker gegen den Tod. Selbst vom Sterbebett aus erteile er seinen Angehörigen noch Lektionen in Geduld, Liebe und Toleranz.

Jahrzehntelang setzte sich Mandela für ein Ende des rassistischen Apartheid-Systems in Südafrika ein und wurde deswegen 27 Jahre lang inhaftiert. Vier Jahre nach seiner Entlassung 1990 wurde er zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. 1993 bekam er den Friedensnobelpreis.

Obwohl Mandela fast ein Drittel seines Lebens als Häftling verbrachte, ging er ohne Groll auf seine früheren Gegner zu und warb für Versöhnung zwischen Schwarz und Weiß. Bei seiner Vereidigung stimmte er die in der Apartheid-Ära gesungene Afrikaans-Hymne an. Als er dann Staatschef wurde, aß er mit jenem Staatsanwalt zu Mittag, der einst dafür gesorgt hatte, dass er ins Gefängnis kam.

Es waren diese Gesten der Vergebung und Großzügigkeit, die Mandela zu einem weltweiten Symbol der Opferbereitschaft und Versöhnung machten. Sein Status als Kämpfer gegen das rassistische System der Apartheid und Friedensstifter stellte ihn auf eine Stufe mit anderen Persönlichkeiten, die er bewunderte: den US-Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. und den indischen Unabhängigkeitsführer Mahatma Gandhi.

Bisweilen schien sich Mandela mit der Rolle als Ikone anzufreunden, etwa, als er kurz nach seiner Freilassung aus der Haft vor einem begeisterten Publikum im Londoner Wembley-Stadion einen Auftritt absolvierte. Gelegentlich versuchte er jedoch seine Bedeutung herunterzuspielen. In einem unveröffentlichten Manuskript aus einer Gefängniszeit räumte er denn auch ein, dass die Führer der Anti-Apartheid-Bewegung das Rampenlicht dominierten, sie aber „nur ein Teil der Geschichte“ seien.

Zum Lebenswerk Mandelas fanden viele Politiker und Würdenträger bewegende Worte. „Er gehört nicht uns. Er gehört der Geschichte“, sagte US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus. Er selbst seiner von Millionen, die von Nelson Mandela inspiriert worden seien. „Und wie so viele auf der ganzen Welt könnte ich mir mein eigenes Leben ohne das Beispiel Nelson Mandelas nicht vorstellen. Mandelas schwere Erkrankung vereitelte im Sommer ein Treffen mit Obama, der gerade Südafrika besuchte.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon würdigte Mandela als „Gigant für die Gerechtigkeit“. Sein „selbstloser Kampf für menschliche Würde, Gleichberechtigung und Freiheit“ habe viele Menschen auf der ganzen Welt inspiriert, sagte Ban vor Reportern. Der UN-Sicherheitsrat unterbrach eine Sitzung, als der Tod Mandelas publik wurde. Mit einer Schweigeminute gedachten die Gremiumsmitglieder des Anti-Apartheid-Kämpfers.

Chinas Präsident Xi Jinping hob Mandelas Sieg im Kampf gegen die Apartheid und seinen Beitrag für „die Sache des menschlichen Fortschritts“ hervor.

In London wohnten Prinz William und seine Frau Kate gerade der Premiere des neuen Films „Mandela: Long Walk to Freedom“ bei, als der Tod der südafrikanischen Nationalikone bekannt wurde. „Wir wurden gerade daran erinnert, was für ein außerordentlicher und inspirierender Mann Nelson Mandela war“, sagte William.

Die Trauer und Anteilnahme in Südafrika ist groß: Als die Nachricht vom Tode „Madibas“ - das ist der Clanname Mandelas - die Runde machte, versammelten sich die Bewohner Sowetos vor seinem früheren Haus. Viele sangen und tanzten in Gedenken an Mandelas Leben und Wirken. „Ich bin traurig“, sagte Thumelo Madikwe, ein Teilnehmer. „Aber er hat sein Leben gelebt und es sehr gut gemacht. Es ist in Ordnung, dass er geht. Er war alt“.

In Johannesburg versammelten sich rund viele Menschen vor dem Haus, in dem Mandela in den vergangenen Monaten behandelt worden war. Viele hielten Kerzen in der Hand.

Für die kommenden Tage wurden große Versammlungen von Trauernden erwartet - in Vorbereitung auf eine große Trauerfeier zu Ehren Mandelas.