Unglaublich, was da in der NWZ zu lesen ist: Ein ehemals hoher Repräsentant unseres demokratischen Gemeinwesens, der frühere Niedersächsische Landtagspräsident Horst Milde, schließt sich „ohne wenn und aber“ dem Wunsch eines Oldenburgers nach Freilegung des Blut- und Boden-Freskos des Malers Oeltjen an der Rückwand des ehemaligen Plenarsaales an! Jeder nachdenkende Oldenburger schaue sich in der Dokumentation von Enno Meyer „Menschen zwischen Weser und Ems 1933-1945“ (...) dieses Fresko völkischer Blut- und Boden-Kunst an oder nehme dessen Charakterisierung im „Biographischen Handbuch zur Geschichte des Oldenburger Landes“ (...) zur Kenntnis: „... diese heute durch Wandbespannung verdeckten Gemälde sind in ihrer Gesamtheit der Repräsentationskunst des Nationalsozialismus zuzurechnen. Wenn auch O. dem Nationalsozialismus nicht verbunden war, so bleibt doch die Übernahme nationalsozialistischen Gedankengutes für diese Gestaltung fragwürdig.“ Für jeden Demokraten steht fest: NS-Repräsentationskunst kann im demokratischen Staat nicht identitätsstiftend sein! (..) Am Eingang liest man auf einer Gedenktafel „... Zahlreiche Abgeordnete des 1933 aufgelösten Oldenburgischen Landtages erlitten durch den Nationalsozialismus Verfolgung, Haft und Tod. Ihr Schicksal ist Mahnung und Verpflichtung zur Erhaltung eines freiheitlichen und demokratischen Staates“ und im Innern will man die Repräsentationskunst der braunen Diktatoren von einst wieder enthüllen? So ehrt man im Innern posthum die verbrecherische Blut- und Boden-Ideologie der Täter, deren Opfer man am Eingang gedenken soll?! Ein unfassbarer Hirnriss!
(...) Wir Oldenburger können sicher stolz sein auf die Geschichte der Stadt und des Oldenburger Landes. Zu dieser Geschichte gehört aber auch, dass im Oldenburger Land die erste nationalsozialistische Landesregierung in Deutschland frei gewählt wurde. Und das bereits 1932, also ein Jahr vor der Machtergreifung Hitlers.
Neben vielen ruhmreichen Grafen, Herzögen und ehemaligen Ministerpräsidenten gab es eben auch einen Nazi-Gauleiter Röver, der von Oldenburg aus nicht nur das Oldenburger Land, sondern auch Bremen und sein Umland tyrannisierte. Ein dunkles Kapitel, das in den meisten Büchern über Oldenburg gerne verschwiegen wird. Höchste Zeit also für eine umfassende Aufklärung über die Schandtaten und Folgen für das Oldenburger Land durch die Nazi-Herrschaft. Gerade in Zeiten von „Pegida“ und einigen rechtsextremen Strömungen in der Gesellschaft sollten wir auch in Oldenburg diesen Tendenzen durch Aufklärung und Hintergrundinformationen (auch in der NWZ ) begegnen. Was eignet sich symbolisch besser als ein verdecktes Bild im Sitzungssaal des ehemaligen Oldenburger Landtags, das durch die Nazis beauftragt wurde, endlich wieder freizulegen?! Unsere gefestigte Demokratie muss und wird eine mögliche Diskussion aushalten und würde sogar dadurch gestärkt.
