DJIBOUTI - Der Seeräuber-Spuk im Golf von Aden und vor der somalischen Küste könnte nach Einschätzung westlicher Geheimdienste in absehbarer Zeit zu Ende gehen. Die Freibeuter seien durch die jüngsten Erfolge der internationalen Anti-Piraten-Armada „stark verunsichert worden“, heißt es bei Vertretern des US-Auslandsnachrichtendienstes CIA in Djibouti.

Die Geheimdienstler wiesen darauf hin, dass die USA jetzt auch Schiffe mit Landungsbooten und Spezialeinheiten der Marines in die von den Piraten „verseuchten“ Gewässer schicken wollen. Die US-Spezialeinheiten könnten die Piraten in ihren Stützpunkten am somalischen Festland dingfest machen. Es wird erwartet, dass der neue amerikanische Präsident Barack Obama gleich nach seiner Amtsübernahme den Weg dafür freigibt.

Die Piraten haben nach Aussage der Nachrichtendienste unter dem Druck des internationalen Flottenverbandes, zu dem nicht nur Kriegsschiffe der EU, sondern auch russische und chinesische Einheiten gehören, ihre Taktik weitgehend geändert. Sie greifen nur noch kleinere Frachtschiffe an, auf die sie sofort das Feuer eröffnen. „An größere Schiffseinheiten trauen sich die Piraten offenbar nicht mehr heran“, erläuterte ein CIA-Mann.

Die Hinweise, dass die islamistische Terrororganisation der Al-Qaida hinter den Piraten steht, haben sich nach Darstellung der westlichen Geheimdienste „verdichtet“. Al-Qaida habe bisher vor allem den Piraten modernste Waffen, Schiffsausrüstungen und Geräte für die Satellitennavigation oder Laptops geliefert. Al-Qaida-Spezialisten ist es laut der westlichen Geheimdienste gelungen, sich auf Websites der Europäischen Union einzuloggen und mit Spams und Trojanern die Kommunikationen zu stören. So würden die Kriegsschiffe im Einsatzgebiet fehlgeleitet und beispielsweise mit falschen Anweisungen in „unbedeutende Seegebiete“ gelotst.

Nach Erkenntnissen von Marineexperten werden die Piratenangriffe auf die Seeschifffahrt von drei Mutterschiffen aus gesteuert, die in den Hoheitsgewässern des Jemen und Somalias versteckt liegen. „Es kommt darauf an, diese Schiffe aufzuspüren und zu vernichten“, erklärte ein CIA-Mann. Wenn das gelingen würde, wären die für den Welthandel wichtigen Schifffahrtswege wieder ohne Gefahren zu durchfahren.

Gegenwärtig sind nach amtlichen Angaben noch 14 Schiffe mit 175 Besatzungsmitgliedern in der Gewalt der Piraten. Im vergangenen Jahr wurden in der Region mehr als 100 Schiffe von Seeräubern angegriffen, 40 davon gekapert. Zur EU-Anti-Piratenflotte gehört auch die deutsche Fregatte „Karlsruhe“, die durch die „Rheinland-Pfalz“ ersetzt wird.