Washington - US-Präsident Donald Trump hat bei der Rechtfertigung des Rauswurfs von FBI-Direktor James Comey vorherigen Angaben des Weißen Hauses widersprochen. Er habe die Entlassung Comeys bereits länger ins Auge gefasst und den Schritt unabhängig von Empfehlungen aus dem US-Justizministerium geplant, sagte Trump am Donnerstag in einem Interview des Senders NBC News. Der Comeys geschäftsführender Nachfolger Andrew McCabe widersprach anderen Erklärungen der US-Regierung in der Kontroverse.

Er habe Comey zweimal am Telefon und einmal bei einem gemeinsamen Essen gefragt, ob gegen ihn ermittelt werde, und darauf dreimal die Versicherung erhalten, dass dies nicht so sei, sagte Trump in dem NBC-Interview. Der US-Präsident zeigte dabei keinerlei Bedenken, dass seine Anfragen als Einmischung in laufende FBI-Ermittlungen zu möglichen Verbindungen des Trump-Wahlkampfteams nach Russland betrachtet werden könnten.

Comey hat Trumps Angaben bislang nicht bestätigt. Die „New York Times“ zitierte am Donnerstagabend (Ortszeit) zwei Comey-Vertraute, die die Geschichte von dem Dinner im Januar wiedergaben, in dem der Präsident den FBI-Direktor um ein Loyalitätsbekenntnis gebeten haben soll. Comey verweigerte dies demnach und bot Trump stattdessen „Ehrlichkeit“ an. Als Trump dann „ehrliche Loyalität“ gefordert habe, habe Comey geantwortet: „Die werden Sie haben.“

Wie die „New York Times“ weiter berichtete, hatten Comeys Vertraute mit der Zeitung vereinbart, dass die Geschichte so lange unter Verschluss bleibe, wie Comey FBI-Chef sei. Eine Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, bestritt den Inhalt des Berichts. Ein langjähriger Freund von Comey, Daniel Richman, hatte der Nachrichtenagentur AP am Vortag jedoch gesagt, der Präsident habe jemanden entlassen, der Trump keine „absolute Loyalität“ versprechen wollte.

Das Weiße Haus hatte als Beleg für Trumps Entschluss zunächst Anmerkungen des stellvertretenden Justizministers Rod Rosenstein in Umlauf gebracht, in dem er unter anderem Comeys Entscheidungen in der E-Mail-Affäre um die ehemalige US-Außenministerin und Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton kritisierte. In dem Interview räumte Trump nun erstmals ein, dass er auch an die Russland-Ermittlungen gedacht habe, als er Comey entließ.

Im Weißen Haus herrschte wegen der unterschiedlichen Angaben zum Comey-Rauswurf Chaos. Trumps Berater versuchten, ihre Geschichten aufeinander abzustimmen und den wütenden Präsidenten zu beschwichtigen.

Der geschäftsführende FBI-Direktor McCabe wies am Donnerstag vehement zurück, dass Comey unter anderem deshalb gefeuert worden sei, weil er das Vertrauen beim FBI verloren habe. Comey habe innerhalb der Bundespolizei „breite Unterstützung genossen“, sagte McCabe während einer Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats. Er selbst empfinde Hochachtung für Comey. Es sei „das größte Privileg“ seiner Karriere gewesen, unter Comey gedient zu haben. McCabe sagte auch, dass es kein Standardverfahren sei, jemanden darüber zu informieren, dass das FBI nicht gegen ihn ermittle.

Kritiker beklagten, falls Comey Trump tatsächlich über den Ermittlungsstand informiert hätte, wäre dies ein Verstoß gegen die Regeln gewesen. FBI-Ermittler dürfen weder mögliche Verdächtige noch in anderer Weise von Ermittlungen betroffene Personen über die laufenden Untersuchungen informieren.