Cloppenburg - Angesichts sprunghaft ansteigender Zahlen von Asylbewerbern hat der Landkreis Cloppenburg stellvertretend für die 13 Städte und Gemeinden am Montag bei einem Pressegespräch den dringenden Appell an Privatpersonen und Gewerbetreibende mit freiem Wohnraum gerichtet, diesen an Flüchtlinge zu vermieten. Zurzeit hielten sich 1695 Asylbewerber im Kreis Cloppenburg auf. Im Dezember 2013 waren es noch 451, ein Jahr später 642. Und nun seien bis Ende März 2016 weitere 1494 Menschen auf die Städte und Gemeinden zu verteilen und dort unterzubringen, erklärte Landrat Johann Wimberg (CDU).

Für ein Drittel der 1494 Frauen, Männer und Kinder seien bereits Wohnungen angemietet worden, erklärte Josef Potthast von der beim Kreis angesiedelten Projektgruppe Asyl. In vielen Fällen müssten diese aber noch renoviert bzw. eingerichtet werden. Für weitere 300 Personen bestehe die Aussicht auf Anmietung, entsprechende Verhandlungen liefen, so Potthast weiter.

Trotzdem werden für den Zeitraum von Januar bis März 2016 noch circa 130 Wohnungen für 500 Flüchtlinge gesucht. Die Anmietung erfolgt zu den ortsüblichen Preisen, Ansprechpartner sind die Sozialamtsmitarbeiter in den Städten und Gemeinden des Landkreises Cloppenburg. Leerstehende Objekte, die sich möglicherweise für die Unterbringung von Asylbewerbern eignen, können auch direkt bei der Kreisverwaltung gemeldet werden. Ansprechpartnerin ist Frau Brandt ( t 0 44 71/ 15-500 oder E-Mail asyl.wohnung@lkclp.de).

Eine dezentrale Unterbringung sei – so Erster Kreisrat Ludger Frische – nach wie vor die beste Lösung. Die Flüchtlinge fänden wesentlich schneller Anschluss in der Nachbarschaft, in Schulen, Kindergärten und Sportvereinen als im Falle einer zentralen Unterbringung in Massenunterkünften.

Bislang – ergänzte Landrat Wimberg – sei es im gesamten Landkreis Cloppenburg gelungen, Asylbewerber ohne die Inanspruchnahme von Turnhallen oder Dorfgemeinschaftshäusern unterzubringen. „Rund um uns herum ist das schon der Fall gewesen.“

Derweil ist das Amtshilfeersuchen des Landes Niedersachsen an den Landkreis Cloppenburg bis Mitte Februar verlängert worden. Stand Montag, 21. Dezember, waren in der Notunterkunft ehemals „Schwärter druckt“ im Cloppenburger Industriegebiet West 255 Menschen aus den Erstaufnahmelagern des Landes untergebracht – die maximale Aufnahmequote in der Ex-Druckerei beträgt 300.

Die zweite Notunterkunft dieser Art – die ehemalige „Cappelner Diele“ – ist am vergangenen Donnerstag in Betrieb genommen worden. Stand gestern halten sich 94 Menschen dort auf, maximal möglich sind 200. Mitte November – so Kreismitarbeiter Potthast – habe der Kreis einen Mietvertrag bezüglich der „Cappelner Diele“ über ein halbes Jahr mit Option auf weitere sechs Monate geschlossen.

Insgesamt sind in den Notunterkünften bislang 15 Kontingente mit rund 1300 Personen eingetroffen, von denen viele gleich weitergezogen sind. Die nächsten 100 Flüchtlinge werden am Montag, 28. Dezember, erwartet. Auf die Städte und Gemeinden wurden aus den Notunterkünften bislang 346 Frauen, Männer und Kinder verteilt. Sie kommen insbesondere aus Syrien, Irak, Afghanistan und Iran.

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland