Strückhausen - Der Himmel ist grau, es regnet. Der Wind pfeift über das offene Land. Hier, am Ende der langen Allee, vorbei an dem verfallenen Gasthof, in dem sich die Kirchdorfer einst zuprosteten, liegt die alte Pastorei. Hier haben Ermittler am Donnerstag den Leichnam von Klaus-Dieter Fossgreen gefunden. Der ehemalige Cuxhavener Bürgermeister galt seit langem als vermisst (NWZ berichtete).
Die Kirche hatte das Gebäude einst als Dienstwohnung für die Pastoren aufwendig renovieren lassen. Als die Gemeinden dann fusionierten, brauchte es niemand mehr. Ende 2011 muss es gewesen sein, als Fossgreen einzog. „Da sei er schon sehr gebrechlich gewesen, erzählt man sich im Ort“, sagt Ovelgönnes Bürgermeister Christoph Hartz (parteilos).
Die Frage, die das ganze Dorf bewegt, ist: Wie konnte das passieren? Da liegt jemand über Jahre tot in seiner Wohnung – und niemand merkt es. „Die Leute sind darüber erschrocken“, sagt Hartz. Dass sich lange niemand gekümmert hat, insbesondere kein Familienangehöriger, kann der Bürgermeister nicht begreifen. Wenn man nirgends eingebunden ist, dann wird selbst die kleinste Ortschaft zur anonymen Großstadt, sagt Hartz. Er hat Fossgreen nie zu Gesicht bekommen.
Seit Ende 2014 galt der damals 78-Jährige als vermisst, schon seit 2012 war er im Ort nicht mehr gesehen worden. Nach Polizeiangaben hatte sich Fossgreens Ehefrau damals bei Fragen nach dem Aufenthaltsort ihres Mannes nicht kooperativ gezeigt. Einen Grund, sie zu inhaftieren, sah die Justiz damals nicht. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg, es geht um Leistungsbetrug. Zu klären ist: Hat jemand den Tod von Fossgreen verschwiegen, um seine Rentenzahlungen weiter zu beziehen? Gegen wen sich das Ermittlungsverfahren richtet, wollte die Staatsanwaltschaft auf NWZ -Nachfrage jedoch nicht kommentieren.
Erst kürzlich sorgte ein Vermisstenfall in der Region für Aufsehen. Die Polizei bekam einen anonymen Hinweis auf einen Toten. Er solle sich in einer ehemaligen Cloppenburger Autobahnraststätte befinden. Trotz mehrerer Durchsuchungen entdeckten die Beamten den Leichnam eines 32-Jährigen nicht. Er wurde erst Wochen später gefunden.
Für seinen Ort hat Bürgermeister Hartz jetzt nur einen Wunsch: „Der Fall muss restlos aufgeklärt werden, damit die Menschen wieder Sicherheit haben.“
