Norddeutsche sind etwas besonderes, insbesondere ihre Namen. Diese Erfahrung musste am Donnerstag wieder einmal Garrelt Duin (sprich „Dühn“) aus Hinte machen. Der Chef der Niedersachsen-SPD und frisch gebackene Bundestagsabgeordnete wurde zu seiner Rednerpremiere im Hohen Haus von Bundestagsvizepräsidentin Gerda Hasselfeldt (CSU) mit stark gekrauster Stirn aufgerufen: „Das Wort hat nun der Abgeordnete Garrelt Du-ihn.“ Während ihr der Vorname noch mit bayerisch-gerolltem „R“ flüssig über die Lippen kam, bereiteten ihr die Vokale des Nachnamens hörbare Probleme. Der so Aufgerufene nahm‘s mit Humor und rief Hasselfeldt noch auf dem Weg zum Pult die richtige Aussprache zu. Die Glückwünsche des Hohen Hauses für Duins erste Rede im Bundestag zehn Minuten später brachte Hasselfeldt dann mit perfekt ostfriesischer Betonung über die Bühne.

Den Niedersachsen wird trotz jahrzehntelanger republikanischer Tradition immer noch ein gewisser Hang zu gekrönten Häuptern nachgesagt. So erfreut sich beispielsweise das Welfenhaus mit Prinz Ernst August an der Spitze höchster Aufmerksamkeit. Nun wachsen Prinzen und Prinzessinnen nicht auf Bäumen. Wie schön, wenn der Zufall ein wenig nachhilft, wie etwa in der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin. Dort arbeitet die amtierende Vize-Rapsblütenkönigin aus Lichtenhagen (Kreis Holzminden), Melanie Küster, als Chefsekretärin. Der majestätische Glanz schmückt das Haus aber nur noch bis Mitte Mai, dann wird die neue Königin gewählt.

Völlig glanzlos ist das Verhältnis zwischen den Abgeordneten von SPD und Linkspartei im Bundestag. Die Volksvertreter beider Fraktionen sind sich so spinnefeind, dass ständig gegeneinander gepöbelt wird. Für die Sozialdemokraten ist vor allem Oskar Lafontaine das sprichwörtliche Rote Tuch. Doch der Fraktionschef der Linkspartei hat in der SPD-Fraktion auch Freunde, etwa Ottmar Schreiner, sein Landsmann aus dem Saarland und alter Weggefährte. Schreiner, einst SPD-Bundesgeschäftsführer, wird am 21. Februar 60 Jahre alt. Zum Geburtstagsempfang wird viel Parteiprominenz erwartet, – und auch Lafontaine soll eingeladen sein. Schreiner hat – dem Vernehmen nach – vorab die Seinen informiert, damit sie sich vorbereiten können. Es soll sich ja niemand erschrecken.

Olaf Reichert