Harpstedt/Dünsen - Müde und abgekämpft wirkten viele Ausschussmitglieder und Besucher am Donnerstagabend, als nach 22 Uhr die Sitzung des Schulausschusses der Samtgemeinde Harpstedt im Hotel „Zur Wasserburg“ zu Ende gegangen war.
Der Ausschuss hatte sich nach dreistündiger Sitzung dafür ausgesprochen, den Schuleinzugsbereich der Grundschule Dünsen auf die Gemeinden Kirchseelte und Groß Ippener auszuweiten. Sollten der Samtgemeindeausschuss und der Samtgemeinderat diese Entscheidung bestätigen, könnten Eltern aus diesen beiden Gemeinde ab dem Schuljahr 2016/2017 frei entscheiden, ob sie ihr Kind nach Dünsen oder Harpstedt schicken wollen.
Kinder aus Dünsen müssten generell weiter die Grundschule in Dünsen besuchen, sollten Eltern eine andere Schule vorziehen, bräuchten sie eine Ausnahmegenehmigung.
Neue Erkenntnisse
Zuvor hatten sich noch zahlreiche neue Erkenntnisse für die Ausschussmitglieder ergeben. Der Dünsener Architekt Jürgen Köster hatte einen Vorschlag vorgestellt, der ein Behinderten-WC, einen Schulleiterraum und einen Ruheraum für Baukosten von geschätzten 108 000 bis 123 000 Euro ermöglichen würde.
Der seit dem Beginn der Diskussion im Raum stehende Investitionsbedarf von geschätzt 500 000 Euro relativierte sich zusehends und trat im Ausschuss in den Hintergrund. Wichtiger war am Ende der Diskussion, wie sich die Verteilung von Schülern auf die beiden Grundschulen auf die Lehrerversorgung auswirken würde.
Wolfgang Kunsch, Schulleiter in Harpstedt und kommissarisch auch in Dünsen, machte klar, dass wegen der sinkenden Schülerzahl im kommenden Schuljahr bereits eine Lehrkraft aus Dünsen abgezogen wird.
Würden in den darauffolgenden Jahren viele Schüler aus Kirchseelte und Ippener die Schule in Dünsen besuchen, könnte das auch negative Auswirkungen auf die Zahl der Lehrkräfte in Harpstedt haben.
Weniger Lehrer
Klar ist, bei sinkenden Gesamtschülerzahlen sinkt auch die Zahl der Lehrkräfte in der Samtgemeinde. Nicht eindeutig ist laut Karl-Heinz Book von der Landesschulbehörde allerdings, welche Konstellation mehr Lehrkräfte in der Samtgemeinde halten würde – dass hänge von der Verteilung der Schüler auf die beiden Schulen ab.
Die Vertreter von Elternrat und Schulförderverein, die deutlich mehr als 100 Gäste zur Ausschusssitzung aufgeboten hatten, und auch die Verfechter der Dünsener Schule unter den Ausschussmitgliedern setzen aber darauf, dass eine Schule in Dünsen und ein vielfältiges Schulangebot in der Samtgemeinde ein Anreiz für junge Familien ist, in die Samtgemeinde zu ziehen.
Offene Abstimmung
Am Ende der Diskussion waren mehrere Anträge gestellt, modifiziert und wieder zurückgezogen worden. Abgestimmt wurde über drei davon. Wolfgang Krössing hatte zunächst trotz heftiger Kritik von zahlreichen Ausschussmitgliedern eine geheime Abstimmung verlangt, war mit diesem Antrag aber gescheitert. Sein zweiter Antrag hätte das Ende der Grundschule Dünsen bedeutet: Er beantragte, einen Schulbezirk mit dem einzigen Schulstandort Harpstedt einzurichten. Dieser Antrag wurde allerdings bei sechs Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen abgelehnt.
Antrag zurückgezogen
Angenommen wurde der von Heinz-Jürgen Greszik formulierte Antrag zur Öffnung des Einzugsbereichs mit acht Ja-Stimmen, drei Gegenstimmen und vier Enthaltungen. Zuvor hatte Irene Kolb (Grüne) ihren Antrag zurückgezogen. Sie hatte ursprünglich auch den Eltern aus Dünsen Wahlfreiheit lassen wollen. Nachdem Karl-Heinz Book darauf hingewiesen hatte, dass ein zukünftiger Schulleiter in Dünsen dann keinerlei Planungssicherheit über seine Schülerzahlen mehr hätte, entschied sie sich um.
Spätestens mit der Entscheidung des Samtgemeinderates steht auch einer Ausschreibung der vakanten Schulleiterstelle in Dünsen nichts mehr entgegen – ob sich allerdings schnell Bewerber finden, ist fraglich.
