DüSSELDORF - Der mutmaßliche „Kofferbomber von Köln“ ist nach Ansicht des psychiatrischen Gutachters voll schuldfähig. Es gebe keine Hinweise auf eine psychiatrische Erkrankung des 23-Jährigen, sagte der Psychiater Prof. Norbert Leygraf am Dienstag im Düsseldorfer Oberlandesgericht. Es deute auch nichts darauf hin, dass der Libanese unter einer Bewusstseins- oder Persönlichkeitsstörung gelitten habe, als er mit einem Komplizen vor knapp zwei Jahren in zwei Regionalzügen Bomben deponiert habe. Die Sprengsätze waren wegen eines technischen Fehlers nicht explodiert.

Youssef El H. sei als Hoffnungsträger seiner Familie mit seinem Studium überfordert gewesen und sei als „Flucht nach vorn in die Rolle des islamistischen Gotteskriegers geschlüpft“, stellte Leygraf gemeinsam mit dem psychologischen Gutachter Norbert Schalast fest.

Der in Düsseldorf angeklagte Libanese wirke nach außen hin „ausgesprochen freundlich und unaggressiv“. Mit seinem islamistischen Weltbild habe er dennoch die wahllose Tötung unschuldiger Menschen planen und vor sich rechtfertigen können.

Die Familie habe dem jüngsten von 13 Kindern trotz eher zweifelhafter Schulleistungen ein Ingenieurstudium in Deutschland ermöglicht. Wegen seiner schlechten Deutschkenntnisse hatte der Libanese bis zur Tat nicht einmal einen Studienplatz ergattern können. Er habe sich in einer „persönlichen Selbstwert-Krise“ befunden, zumal er auch beim „weiblichen Geschlecht keinen Erfolg“ vorzuweisen hatte.

Die Flucht in den Islamismus sei eine „im doppelten Sinne verfehlte Krisenbewältigung“ gewesen, habe seine Isolation noch gesteigert und die Integration verhindert.