Düsseldorf - „Es sind die Dämonen, die Sie selbst gerufen haben.“ Mehrfach spricht der Vorsitzende Richter Frank Schreiber den blassen Mann auf der Anklagebank direkt an. „Sie haben die rote Linie mehrfach überschritten.“ Am Mittwoch verurteilt das Düsseldorfer Oberlandesgericht Sven Lau als Terrorhelfer zu fünfeinhalb Jahren Haft.
Nachdem er beim vergangenen Prozesstag von einem Weinkrampf übermannt wurde, behält Lau, Vater von fünf Söhnen, diesmal die Fassung. Er sitzt mit einer Unterbrechung bereits seit 22 Monaten in Untersuchungshaft, wegen Fluchtgefahr soll er dort auch bleiben, bis der Bundesgerichtshof über die bereits von der Verteidigung angekündigte Revision entschieden hat.
Das Gericht spricht Lau im Sinne der Anklage als Unterstützer der syrischen Terrormiliz Jamwa („Armee der Auswanderer und Helfer“) in vier Fällen schuldig, bleibt beim Strafmaß aber ein Jahr unter der Forderung der Bundesanwaltschaft. Lau habe Jamwa mit Kämpfern, Geld und Nachtsichtgeräten unterstützt und dazu die Hilfskonvois des Vereins „Helfen in Not“ als „blanke Fassade“ genutzt.
Der Islamistenführer habe sich im Lauf der Jahre radikalisiert. Die Entwicklung sei ihm teilweise entglitten, habe ein Eigenleben entwickelt. Seine Freunde seien jetzt beim Islamischen Staat (IS), „dem Sinnbild der entmenschlichten Grausamkeit und Mordlust“, sagt Schreiber.
Der von Lau unterstützte Flügel der islamistischen Jamwa-Miliz hat sich inzwischen dem IS angeschlossen, Laus „bester Freund“ Konrad S. soll mittlerweile IS-Kommandant sein, wenn er noch lebt.
Dass aus dem Umfeld des Salafisten-Predigers junge Männer nach Syrien verschwinden, war dem Verfassungsschutz, der Lau seit Jahren beobachtet, schon vor geraumer Zeit aufgefallen. Es dauerte aber eine Weile, bis Rückkehrer anfingen zu reden und die gesammelten Chats und Mitschnitte ein deutliches Mosaikbild ergaben.
Verteidiger Mutlu Günal hat sich in seinem Bemühen, die „Kronzeugen“ als unglaubwürdig erscheinen zu lassen, nicht durchsetzen können. Der bereits als Terrorist verurteilte Ismail I. hatte Lau im Prozess schwer belastet: Es sei Lau gewesen, der ihn in den Dschihad nach Syrien gebracht habe. Dort sei Lau „ein gerngesehener Gast“ gewesen. „Dass ich es durchgezogen habe, liegt an ihm. Er selbst ist nur mal zu Besuch gekommen. Das ist wirklich ein Feigling.“
