DüSSELDORF - Siegen lernen mit Fußball-Bundestrainer Jogi Löw: Nordrhein-Westfalens neue Ministerpräsidentin guckt sich was ab – ein Team ohne Stars, das ist das Erfolgsrezept von Hannelore Kraft (SPD).

„Ein Rückblick auf die Fußball-WM zeigt ja deutlich: Ein gutes Team kann ganz weit kommen“, sagt Kraft am Donnerstag bei der Vorstellung ihrer Minister-Mannschaft in Düsseldorf. Das Team soll der Star sein. Große Namen aus der SPD oder der Gesellschaft fehlen. Angesichts der zerbrechlichen Konstruktion einer Minderheitsregierung dürften Prominente einem Ruf nach Düsseldorf gut widerstanden haben. Doch das bleibt Krafts Geheimnis.

Ein bisschen scheint Kraft auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gelernt zu haben: Das Absichern der Macht im „Girls-Camp“. Nie gab es mehr Frauen in einer nordrhein-westfälischen Regierung. „Ich bin stolz, ein mit Frauen und Männern paritätisch besetztes Kabinett vorstellen zu können“, betont die 49-Jährige. „Das ist ein wichtiges Signal für eine andere Politik in NRW. Auch das ist ein Politikwechsel.“

Echte Seiteneinsteiger – gar ohne Parteibuch – sind nicht in der neuen Landesregierung. Acht der zwölf Kabinettsmitglieder gehören dem Landtag an. Stattdessen setzt Parteistrategin Kraft auf den regionalen Proporz. Ihr Signal nach draußen: „Uns sind alle Regionen des Landes gleich viel wert.“

Wie am ersten Schultag ruft sie ihre Minister einzeln auf und hakt nach, wenn jemand vergisst, zu sagen, woher er stammt. „Ich bin überzeugter Duisburger, bekennender Ruhrgebietler“, stellt sich etwa der neue Innenminister Ralf Jäger vor. Und der bisherige Landeschef des DGB, Arbeitsminister Guntram Schneider, führt sich als „Westfale aus voller Überzeugung“ ein.

Das gewerkschaftliche und leibliche Schwergewicht dürfte schon die schillerndste Figur in Krafts Team sein. Das wortgewaltige SPD-Urgestein soll das strapazierte Verhältnis zwischen der SPD und ihrer einstigen Stammwählerschaft kitten. „Es gilt, die Lehrstellen-Garantie der sozialdemokratischen Partei einzulösen“, beschreibt er sein Programm. „Und zwar nicht über Maßnahmen, die Kurzzeitcharakter haben, sondern über qualifizierte Ausbildung.“ Das neue „Superministerium“ für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr leitet ein Mann, der der breiten Öffentlichkeit noch völlig unbekannt ist: Harry Kurt Voigtsberger, bislang Direktor des Landschaftsverbands Rheinland.

Ihre drei Grünen-Minister signalisierten Kraft am Donnerstag ausschließlich Vorfreude auf gute Zusammenarbeit. „Ich bin etwas stolz, erster Minister in der Bundesrepublik für Klimaschutz zu sein“, hebt Umweltminister Johannes Remmel hervor.