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NWZonline.de Nachrichten Politik

Kraft Gegen Laschet Im Tv: Duett statt Duell?

04.05.2017

Berlin Zunächst dürfen sich die Kontrahenten selbst loben. Sie bringe „Leidenschaft für Nordrhein-Westfalen“ mit, versichert Hannelore Kraft, „das Herz am rechten Fleck“ und das Durchhaltevermögen, schwierige Veränderungsprozesse zu gestalten. Dann hat ihr Konkurrent das Wort. Er habe „eine Idee, wo das Land hin soll, und den Anspruch, in die Spitzenplätze der deutschen Länder zu kommen“, antwortet CDU-Mann Armin Laschet auf die Frage, was ihn denn für das Amt des Ministerpräsidenten in Nordrhein-Westfalen qualifiziere. Sofort sind die Rollen am Dienstagabend im TV-Duell verteilt: Hier SPD-Frontfrau Kraft, die versucht, ihren Amtsbonus als erfahrene Regierungschefin auszuspielen, dort Laschet in der Rolle des Angreifers, der die Defizite in der rot-grünen Bilanz in den Mittelpunkt rückt. Am Ende gibt es keinen klaren Sieger.

60 Minuten verbaler Schlagabtausch zwischen den beiden Wahlkampf-Konkurrenten, die am Ende womöglich auch die Protagonisten einer Großen Koalition an Rhein und Ruhr werden könnten. Duett statt Duell? Wie gefährlich kann Laschet Kraft noch werden? Zwölf Tage vor der Richtungsentscheidung an Rhein und Ruhr wetteifern Amtsinhaberin und Herausforderer zur besten Sendezeit um die Gunst des Publikums, beim großen Showdown in den WDR-Studios in Köln-Bocklemünd vor der Wahl am übernächsten Sonntag. Nicht mehr als 90 Sekunden Redezeit am Stück – schnell geht es zur Sache bei der großen „Kraft-Probe“ im TV. Innere Sicherheit, soziale Gerechtigkeit, Flüchtlingskosten, G8/G9-Abitur, Unterrichtsausfall, Staus und Wachstumsschwäche, kaum ein Reiz-Thema wird ausgelassen.

Knallroter Blazer, dezente Halskette, schwarzes Oberteil – die Regierungschefin präsentiert sich den Zuschauern in den „GroKo“-Farben, Laschet dagegen trägt eine Krawatte in CDU-Orange zum dunklen Anzug. Beide geben sich angriffslustig, fallen einander immer wieder lautstark ins Wort – etwa beim Thema Innere Sicherheit.

„Die Zahl der Einbrüche ist einfach zu hoch“, setzt Laschet an. In Nordrhein-Westfalen gebe es pro Tag 144 Einbrüche, soviel wie in Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz zusammen. Kraft, plötzlich in der Defensive. Sie verweist auf den 30-Prozent-Rückgang bei den Einbrüchen im Jahr 2016 und ihre Pläne zur Aufstockung der Polizei, verteidigt den Umgang der Landesbehörden mit dem Fall Amri, nimmt ihren Innenminister und Parteifreund Ralf Jäger noch einmal demonstrativ in Schutz. „Bisher gibt es für mich keinen Anlass, ihn nach Hause zu schicken“, stellt die Ministerpräsidentin klar, winkt ab, als Laschet die Einführung der Schleierfahndung auch in Nordrhein-Westfalen fordert: „Wir prüfen doch nicht ältere Damen am Steuer.“

Nur selten gibt es Übereinstimmungen. Zum Beispiel bei der Frage, ob der Islam zu Nordrhein-Westfalen gehöre. „Wir sind mit Zuwanderung groß geworden und nach vorne gekommen. Jeder, der hier dauerhaft lebt und sich an die Regeln hält, ist Nordrhein-Westfale, unabhängig von der Religion und der Hautfarbe“, antwortet Kraft. „Stimmt“, pflichtet ihr Laschet bei. Ansonsten aber bemüht sich der CDU-Mann um größtmögliche Abgrenzung.

Von der Kinderarmut über Betreuungsplätze bis zum Wachstum - immer wieder verweist der Herausforderer auf schlechte Platzierungen für Nordrhein-Westfalen in Länderrankings. Mehr Arbeitsplätze zu schaffen, sei keine Priorität von Rot-Grün gewesen, rechnet der CDU-Mann mit Krafts Koalition ab. Das permanente „Stauchaos“ an Rhein und Ruhr sei „ein unglaublicher Zustand“. Kraft kontert mit Zahlen. Mit 1,8 Prozent Wachstum habe Nordrhein-Westfalen nur 0,1 Prozent unter dem Bundesschnitt gelegen und nur 0,3 Prozent hinter Bayern. Und die Staus seien Folge von Fehlern der früheren schwarz-gelben Landesregierung, der auch Laschet angehört habe. Diese habe Planungsstellen abgebaut, weswegen zuletzt baureife Projekte in NRW gefehlt hätten. So geht es hin und her, neutralisieren sich die beiden Kontrahenten.

Kaum Neues in der Koalitionsfrage: Kraft bekräftigt ihre Linie, will weiter für eine Neuauflage von Rot-Grün kämpfen. „Wenn es nicht reicht, werden wir weitersehen“, sagt sie. Die Linkspartei jedenfalls sei nicht regierungsfähig und regierungswillig halte. Das aber ist Laschet zu wenig. Die Ministerpräsidentin halte sich ein Hintertürchen für Rot-Rot-Grün offen. Es sei respektvoll gegenüber den Wählern, von vorneherein zu sagen, was man nicht mache, schließt der CDU-Spitzenkandidat eine Koalition mit der AfD kategorisch aus. Mag man sich an diesem Abend auch nichts geschenkt haben: Zum Abschluss gibt es einen freundlichen Händedruck. Schon am morgigen Donnerstag werden Kraft und Laschet wieder aufeinandertreffen – bei der WDR-Runde mit den Spitzenkandidaten der übrigen Parteien.

Rasmus Buchsteiner Korrespondentenbüro Berlin
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