Elsfleth - Mit einer „Wachablösung“ auf der Brücke des Fachbereichs Seefahrt der Jade Hochschule wurde eine neue Ära eingeläutet. Im Januar hatte der Fachhochschulrat Professor Dr. Ralf Wandelt zum neuen Dekan des Fachbereichs gewählt. Am 1. März hatte er offiziell das Ruder von Professor Dr. Klaus-Jürgen Windeck übernommen, der aus Altersgründen nicht mehr kandidierte.

Umstrittener Umzug

Für viel Aufsehen in den Fraktionen aber auch bei den Elsflether Bürgern sorgte seit Jahresbeginn die geplante Ansiedlung eines Edeka-Marktes an der Hafenstraße. Gisela Lagerin will mit ihrem „Nah und Gut“-Markt von der Wurpstraße knapp 270 Meter von ihrem derzeitigen Standort entfernt an die Hafenstraße umziehen. Die baulichen Kapazitäten des Marktes an der Wurpstraße seien erschöpft und an dem Standort bestünde keine Möglichkeit zur Erweiterung mehr, hatte Lagerin im Juli argumentiert.

Die Elsflether Bürger sahen die Situation offenbar anders. Sie sammelten Unterschriften. Es hatte sich sogar eine Bürgerinitiative gebildet, die sich für den Erhalt des Marktes an der Wurpstraße und gegen den Umzug an die Hafenstraße ausgesprochen hatte. Insgesamt 14 Einwendungen hatte das Beteiligungsverfahren ergeben. Edgar Di Benedetto (Die Linke) hatte deshalb eine Bürgerbefragung zur geplanten Ansiedlung beantragt, die der Stadtrat jedoch mit knapper Mehrheit abgelehnt hatte.

Seinen vorläufigen Höhepunkt in der Politik erlebte die Diskussion wahrscheinlich mit dem Rücktritt des CDU-Ortsvereinsvorsitzenden Gerhard Schulz Mitte Juli. Er hatte Mitgliedern des Stadtrates vorgeworfen, nicht mit offenen Karten gespielt zu haben und Informationen zum Bau des Supermarktes an der Hafenstraße nur zögerlich oder überhaupt nicht an die Fraktionen weitergegeben zu haben. Schulz war schließlich sogar aus der Partei ausgetreten und gehört nun im Rat der neu gebildeten Gruppe „Bürgernah“ an, die neben Schulz aus der FDP-Fraktion, der UWE und Ratsherr Edgar Di Benedetto (Die Linke) besteht.

Elsflether Proms

Auf große Zustimmung traf im Spätsommer dagegen eine neue Veranstaltung des Kulturvereins Elsfleth. In Anlehnung an die berühmten Londoner Promenadenkonzerte hatte der Verein am 12. September erstmals zu den „Elsflether Proms“ in den Heye-Park geladen. Rund 300 Gäste hatten sich im Heye-Park eingefunden. Nachdem zunächst zwei Orchester das Elsflether Publikum mit Live-Musik begeistert hatten, zeigte der Kulturverein die Live-Übertragung der Last Night of the Proms aus der Royal-Albert-Hall in London.

Flüchtlingszahlen

Wie in vielen anderen Kommunen, beschäftigte das Thema Zuwanderung und Flüchtlingsquoten die Elsflether Bürger im Jahr 2015. Bisher ist es der Stadt gelungen, alle Flüchtlinge dezentral unterzubringen, doch angesichts der für 2016 angekündigten Quote von weiteren 116 Personen sah auch Bürgermeisterin Traute von der Kammer Unterbringungsprobleme auf die Kommune zukommen.

Beeindruckend war dagegen das Engagement der Bürger, Verwaltung und Institutionen. Im Oktober war der Interkulturelle Frühstückstreff ins Leben gerufen worden, um Bürgern und Flüchtlingen eine Gelegenheit zu bieten, sich kennenzulernen. Das interkulturelle Treffen findet inzwischen regelmäßig statt.

Auch der Aufruf von Stadt und DRK, einen ehrenamtlichen Helferkreis als Flüchtlingspaten aufzubauen, blieb nicht ungehört. Bei einem ersten Informationstreffen stellten unter anderem die Bürgermeisterin, Peter Deyle vom DRK und Stefanie Meyer vom Landkreis Wesermarsch die Situation im vollbesetzten großen Ratssaal vor. Spontan meldeten sich mehr als ein Dutzend freiwillige Helfer.

Auch private Aktionen stellten die Elsflether auf die Beine. Die Kleidersammlung, die vier Elsfletherinnen im Gemeindehaus organisiert hatten, erfreute sich großer Beliebtheit. Die Spendenbereitschaft der Elsflether Bürger überwältigte die ehrenamtlichen Helferinnen.

150-jähriges Bestehen

Ein weiterer Höhepunkt in der Seefahrerstadt Elsfleth war das 150-jährige Bestehen des Nautischen Vereins Niedersachsen. Zu diesem Anlass entstand eine 200 Seiten starke Chronik, die nicht nur die bewegte Vereinsgeschichte widerspiegelt, sondern ein Zeugnis der maritimen Entwicklung in der Region darstellt.

Merle Ullrich
Merle Ullrich Redaktion Brake