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Demografie In Edewecht 2030: 89 Prozent mehr Senioren

Ingo Schmidt

Edewecht - Es sind durchaus interessante Fakten, die Anna Anna Pfeiffer, Gerontologin bei der Koordinierungsstelle für Migration und Demografie des Landkreises Ammerland, zu präsentieren hatte. Im Edewechter Sozialausschuss stellte sie die zweite Fortschreibung des Seniorenplans 2018 für den Landkreis Ammerland vor – und mit ihm einige der insgesamt 42 Handlungsempfehlungen, die der Landkreis formuliert hat, um einer alternden Gesellschaft in vielerlei Hinsicht gerecht zu werden.

Denn: In den Jahren 2012 bis 2030 wird mit einem Anstieg der Altersgruppe der 65- bis über 80-Jährigen von 89 Prozent gerechnet (Quelle: Wegweiser Kommune). Im Vergleich: Im gesamten Niedersachsen beträgt diese Quote gerade einmal 49 Prozent. Edewecht altert also rapide, auch weil der Anteil der Sechs- bis 64-Jährigen deutlich rückläufig sein wird. Glich die Form der Bevölkerungspyramide vor Jahrzehnten noch einer Tanne (je älter, desto geringer der Bevölkerungsanteil), so präsentiert sich die künftige Form eher als Kelch. Es wird also immer mehr Senioren geben, und darauf müssen sich die Kommunen einstellen. Bloß wie?

Im Sozialausschuss bot Anna Pfeiffer einen Einblick in mögliche zukünftige Problematiken und stellte Konzepte vor, wie die Kommunen im Ammerland dem extremen demografischen Wandel begegnen können. „Die Kommune kann sich die 42 Handlungsempfehlungen anschauen und entscheiden, welche davon für Edewecht relevant sein könnten“, erklärte Pfeiffer dem Plenum.

Wohnen und Mobilität

Für ihre Präsentation hatte Pfeiffer Kategorien wie etwa Wohnen, Mobilität und Gesundheit/Teilhabe gewählt, um mögliche Strategien zu verdeutlichen. Beim Thema Wohnen beispielsweise bezog sie sich auf den Aspekt der Wohnberatung und machte deutlich: „Die Wohnberatung wird häufig vom VdK oder von der Kirchengemeinde angeboten. Viele Menschen sind aber gar nicht Mitglied und fühlen sich deshalb auch nicht direkt angesprochen.“ Man müsse künftig allen Menschen den gleichen Zugang zu solchen Angeboten ermöglichen, und zwar außerhalb von Kirche und Sozialverbänden.

Auch beim Thema Mobilität sieht der Landkreis zunehmend Handlungsbedarf, denn mit dem steigenden Alter der Menschen steigt auch die Quote der Unfallverursacher. „Bei drei von vier Unfällen mit Beteiligten, die älter als 75 Jahre sind, sind diese die Verursacher“, erklärte Anna Pfeiffer. Dieser Anteil sei genauso hoch wie bei den ganz jungen Autofahrern.

Um hier die älteren Menschen für die neue Technik im Fahrzeug und die steigenden Anforderungen im Straßenverkehr zu sensibilisieren, bietet der Landkreis mit Kooperationspartnern seit 2017 einen Lehrgang „Fit im Auto“ an, der Theorie wie auch Praxis (auf dem ehemaligen Fliegerhorst in Oldenburg) beinhaltet. Das ist wichtig, weil gerade auf dem Lande mit steigendem Alter der Lebensradius der Menschen immer kleiner wird. Natürlich ist das Fahrtraining nur ein einziger von vielen Gesichtspunkten, die die Mobilität im Alter verbessern können.

Es gibt Verbesserungspotential

Hier sieht auch Helge Kahnert, Vorsitzende des Seniorenbeirats der Gemeinde, entscheidendes Verbesserungspotenzial: „Die Busverbindung nach Westerstede könnte besser werden“, sagt sie, „und die Außenbereiche wie Husbäke könnten mit dem Bus besser an Edewecht angebunden werden“. Nach Westerstede geht es nämlich nur über Bad Zwischenahn, während die Dörfer nur per Bürgerbus mit Edewecht verbunden sind.

Ein ganz zentraler Gesichtspunkt hinsichtlich des demografischen Wandels ist der Gesundheitsbereich. Als Teilaspekt dessen stellte Pfeiffer die Demenz heraus und sagte: „Es gibt, und das ist wirklich nur eine Schätzung, etwa 2500 Demenzkranke im Ammerland.“ Um hier Abhilfe zu schaffen und Angehörigen eine Hilfestellung zu bieten, wurde beispielsweise 2011 das Pflege-Servicebüro in Westerstede ins Leben gerufen, das eine Beratung der Angehörigen von an Demenz Erkrankten rund um deren Pflege und Unterbringung bietet.

Am wichtigsten aber ist neben der Gesundheit wohl die Teilhabe, also die Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben mit all seinen Facetten teilnehmen zu können. Im siebten Altenbericht der Bundesregierung ist das so formuliert: „Teilhabe und Lebensqualität hängen in hohem Maße auch von der lokalen Infrastruktur und den sozialen Netzen am Wohn- und Lebensort ab...“

Soziale Teilhabe

Es bedarf also lokaler Handlungskonzepte, die die Seniorenarbeit fördern. Und das bedeutet, so ist es in den Handlungsempfehlungen festgehalten, dass es „Ansprechpartner in den Gemeinden für ältere Menschen gibt“. Und weiter: „Denn für die Vermittlung außerfamilialer Aktivitäten, die Förderung sozialer Teilhabe sowie Bereitstellung von Informationen und Hilfe bedarf es wohnortnaher Anlaufstellen für ältere Menschen.“

Helge Kahnert ist bis dato ganz zufrieden mit ihrer Gemeinde. „Ein Augenarzt wäre ganz schön“, sagt die 78-Jährige, „und ein paar mehr bezahlbare Single-Wohnungen für Ältere“. Ansonsten, sagt sie, fiele ihr nichts ein, was akut verbessert werden müsse. „Wir pflegen eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde“, sagt Kahnert, die gut vernetzt ist, zufrieden, „und ich bekomme viel mit.“

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