Ganderkesee - „Ich würde das wieder machen“, sagt Ursula Meirose. „Wir hatten einfach Lust, uns zu engagieren.“ Die inzwischen 75-jährige Ganderkeseerin gehörte im Juli 2000 zu den Gründungsmitgliedern der „Freien Wähler“ in Ganderkesee. Damals hieß die politische Gruppierung allerdings noch „Unabhängige Wählergemeinschaft“ (UWG) und wollte partout mit den etablierten Parteien wenig gemein haben.

„UWG-Gründung noch vor den Sommerferien“, titelte die NWZ  vor 15 Jahren. Die damaligen „Einzelkämpfer“ im Gemeinderat, Hildegard Stiening und Otto Sackmann, hatten sich mit Gleichgesinnten im Haus der inzwischen verstorbenen Stiening getroffen. In den großen Parteien herrsche oft Unzufriedenheit über den den „Fraktionszwang“, hatten beide beobachtet. Am 10. Juli 2000 kam es dann zur Gründungsversammlung bei „Auffahrt-Bissen“ in Grüppenbühren (heute: „Grill & Wok-Paradies“).

Neun Gründungsmitglieder waren es damals. Zum 1. Vorsitzenden wurde Otto Sackmann gewählt, der heute für die neue UWG Ganderkesee im Rat und im Kreistag sitzt. Ursula Meirose wurde Kassenwartin, ihr inzwischen verstorbener Ehemann Karl-Heinz Schriftführer und Hildegard Stiening Pressesprecherin. „Aktuell haben wir 30 Mitglieder“, sagt der Vorsitzende der Freien Wähler, Arnold Hansen, beim Blick in die Akten.

2001 trat die neue Gruppierung erstmals als UWG bei der Kommunalwahl an: Die Vereinigung kam auf 4,91 Prozent und 1616 Stimmen von insgesamt 32 915; Otto Sackmann erhielt das Ratsmandat. „Nur die Grünen und die FDP nehmen mich in Schutz“, zitierte Hansen den UWG-Ratsherrn aus dem Protokoll einer Mitgliederversammlung im Jahr 2002. Im Jahr 2006 machte es die UWG besser: 8,24 Prozent und drei Ratsmandate (Erika Vogel, Peter Schierloh und Otto Sackmann). Die UWG vernetzte sich: 2007 wurde der Landesverband gegründet.

Eine Zäsur war das Jahr 2009: Die Partei benannte sich in Freie Wähler/UWG um. „Wir wollten weg vom Image der Dagegen-Partei“, sagt Hansen. „Wir möchten mitgestalten und mit den Bürgern und allen Fraktionen im Dialog stehen.“ Der größte Erfolg wurde bei der Wahl 2011 erzielt: 10,12 Prozent und vier Sitze im Rat.

Doch kurze Zeit später kam es zum Bruch mit Otto Sackmann. Gut ein Drittel der Mitglieder verließ die Partei. Sie gründeten die „Unabhängige Wähler Gemeinde Ganderkesee“ (UWG). Im Vorjahr verließ auch Christian Marbach die Fraktion der Freien Wähler, die mit Hansen und Elke Bothe aktuell aus zwei Mitgliedern besteht.

„Wir wollen Bürgern, die nicht parteipolitisch gebunden sind, ein Sprachrohr geben“, sagt Hansen. „Ehrlichkeit ist unser Markenkern.“ Daher lehne man „Prestigeobjekte“ wie eine Premiumsauna ab und will im Kindertagesstättenbereich „weg von den Notlösungen“. Auch die Förderung der lokalen Wirtschaft und die Förderung der Familien haben sich die Freien auf die Fahnen geschrieben. Ziel sei es, das Wahlergebnis von 2011 zu wiederholen. „Aber das wird schwer“, ahnt Hansen.  Anlässlich des 15-jährigen Bestehens laden die Freien Wähler zum Empfang am Mittwoch, 22. Juli, um 11 Uhr in die Geschäftsstelle Mühlenstraße 1 in Ganderkesee.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent