Eichstätt - Im katholischen Bistum Eichstätt bahnt sich ein Finanzskandal an. Der Diözese könnten bis zu 60 Millionen US-Dollar verloren gehen, die sie in US-Immobilienprojekte investiert hat, wie am Montag veröffentlichte Recherchen von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR ergaben. Dies sei ein Sechstel ihres ganzen Anlagevermögens. In mehr als 30 Fällen seien Kredite für Bauvorhaben in den USA vergeben worden, ohne diese etwa durch eine Grundschuld abzusichern. Der Fall habe offenbar einen kriminellen Hintergrund.

Der bischöfliche Pressesprecher Martin Swientek bestätigte die Höhe des drohenden Verlusts. Bei einigen Geschäften sei aber theoretisch noch ein Rückfluss der Kredite möglich, sagte er. In einer Mitteilung des Bistums Eichstätt hieß es am Montag außerdem, Bischof Gregor Maria Hanke habe bereits im vergangenen Jahr gegen einen früheren Mitarbeiter und eine weitere Person Anzeige wegen Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit erstattet.

Im Mittelpunkt der Vorgänge steht offenbar ein damaliger Angestellter, der sich um die Geldanlagen der Diözese kümmerte. Die beiden Hauptverdächtigen sollen seit vergangener Woche in Haft sitzen. Wie es außerdem hieß, hat die Diözese Eichstätt in ihrer Strafanzeige erklärt, ihr eigener Finanzchef sei fachlich mit seiner Aufgabe überfordert gewesen. Es habe sich um einen Geistlichen „ohne tiefergehende wirtschaftliche Kenntnisse“ gehandelt. Den Diözesanvermögensverwaltungsrat, der wohl ebenfalls überfordert gewesen sei, habe die Diözese inzwischen neu überwiegend mit Wirtschaftsexperten besetzt.