Friesoythe - Mythen, Legenden und Geschichten aus längst vergangenen Zeiten – Bernard Münzebrock, 85 Jahre alt, ist in Friesoythe geboren und hat sich mit vielen dieser Geschichten beschäftigt. So auch mit dem ersten Friesoyther Pfarrer.

„Im Jahre 1619 wurde die Stadtgemeinde Friesoythe eine selbstständige Pfarrei“, erzählt Münzebrock. Die Pfarrei St. Marien Friesoythe. Bis ein Pfarrer für das Amt gefunden war, sollten Pater aus Vechta die Seelsorge übernehmen. „Doch die waren alle nach kurzer Zeit wieder weg, weil es ihnen in Friesoythe nicht gefiel. So musste Pastor Wiggermann aus Altenoythe zusätzlich die Seelsorge in Friesoythe übernehmen“, berichtet Bernard Münzebrock.

Den Bischof soll dies nicht von seinem Plan abgehalten haben, einen Pfarrer für Friesoythe zu finden. Er ließ die Angelegenheit jedoch so lange ruhen, bis genügend geistlicher Nachwuchs ausgebildet worden war. So kam es, dass erst zehn Jahre später, 1629, Friesoythe einen eigenen Pfarrer bekam. „Heinrich Hanschen hieß der“, so Münzebrock. „Er kam aus Olfen in Westfalen und war zuletzt als Vikar in Vechta tätig gewesen.“

Für den neuen Geistlichen sollte die Stadtverwaltung ein Pfarrhaus bauen. Es heißt, dass sich die Stadt beharrlich geweigert haben soll, das Pfarrhaus zu bauen – vermutlich um Geld zu sparen. 1630 wurde die Stadt daher vom bischöflichen Kommissar zu einer Strafe von 50 Talern verurteilt. „Pfarrer Hanschen wohnte dann zunächst in einer Mietwohnung in der Kirchstraße“, erzählt der 85-Jährige. Im August 1651 drängte Kardinalbischof Franz Wilhelm bei einer Visitation nochmals auf den Bau eines Pfarrhauses. Doch es geschah weiter nichts.

„1671 kam dann Fürstbischof Christoph Bernhard nach Friesoythe, um die Firmung zu spenden. Zu seiner Verärgerung stand auch zu diesem Zeitpunkt das Pfarrhaus nicht“, weiß Bernard Münzebrock.

„Pfarrer Hanschen starb 1674. Während seiner gesamten Amtszeit weigerte die Stadt sich, ein Pfarrhaus für ihn zu bauen“, so Münzebrock. Erst nach seinem Tod soll der Bischof den Bau verfügt haben. Das Haus wurde an der Soeste in der Nähe der Mühlenstraße erbaut. Dort stand es bis zum April 1945. „Im Zweiten Weltkrieg wurde es zerstört“, so Münzebrock.