• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik

„Ein Mann mit Gerechtigkeitssinn“

12.11.2014
Frage: Herr Mahrenholz, in Hannover gibt es einen großen Streit um die Umbenennung des Kopf-Platzes wegen angeblicher Verstrickungen des ersten niedersächsischen Ministerpräsidenten in der NS-Zeit. Deshalb die Frage an den ehemaligen Richter am Bundesverfassungsgericht: Gibt es etwas, was man juristisch dem verstorbenen Sozialdemokraten Kopf vorwerfen könnte?
Mahrenholz: Nein. Hinrich Wilhelm Kopf hat keine unehrenhaften Handlungen begangen. Er war verantwortlich für die Verwaltung und Verwertung von jüdischem und polnischem Eigentum in der Stadt Königshütte. Kopfs Erfahrungen in Vermögenssachen haben ihn dazu befähigt. Und – so sagte es seine frühere Sekretärin – Kopf ist für diese Aufgabe abkommandiert worden durch den Staat. Dieser Vorgang ist allerdings umstritten. Die polnischen Behörden haben nach dem Zweiten Weltkrieg versucht, Kopf durch die englische Besatzung ausliefern zu lassen. Das ist gescheitert. Der zuständige englische Richter hat das Verfahren eingestellt.
Frage: Gibt es Zeugnisse oder Dankschreiben über Kopfs Verhalten in der NS-Zeit?
Mahrenholz: Ja. Das gilt für die Zeit 1938/39, also der Zeit der Judenverfolgung noch während des Friedens. Kopf hat Juden Schutz gewährt und beispielsweise einer jüdischen Frau wiederholt Geld gegeben. Und der größte Vertrauensbeweis: Ein Jude ernannte ihn 1939 zum Testamentsvollstrecker. Aber für die Zeit in Königshütte gibt es Briefe, die bezeugen, dass Kopf geholfen hat, und es gibt das Lob eines Geistlichen, dass sich Kopf wohltuend abgehoben hat von der übrigen deutschen Besatzung. Kopf erscheint als ein Mann mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. So habe ich ihn selbst erlebt in unserer Zusammenarbeit – auch im schwierigsten Jahr seines Lebens.
Frage: Wie kommt es, dass die SPD und alle anderen Parteien im Landtag Kopf fallengelassen haben?
Mahrenholz: Ich bin außerordentlich überrascht darüber. Ich weiß, dass die SPD-Fraktion keine ausführliche Debatte über das Pro und Kontra von Kopfs Tätigkeit während der Nazi-Zeit abgehalten hat. Für die anderen Parteien dürfte das Gleiche gelten.
Frage: SPD-Ministerpräsident Stephan Weil hat Kopf vorgeworfen, im Parlament gelogen zu haben. Wie würden Sie Weil antworten?
Mahrenholz: Tatsächlich hat Kopf vor dem Landtag seine frühere Tätigkeit zur NS-Zeit abgeschwächt. Ihm das vorzuwerfen, berücksichtigt nicht, dass hinter Kopf das polnische Auslieferungsersuchen stand. Wer ausgeliefert wurde, musste mit dem Todesurteil rechnen. Im übrigen passiert im Parlament eine Täuschung durch Weglassen immer wieder. Leider.
Frage: Haben Sie den Eindruck, dass die Dissertation zu Kopfs Wirken wissenschaftlichen Kriterien nicht genügt?
Mahrenholz: Ja. Mich wundert, dass eine philosophische Fakultät diese Dissertation als Grundlage für die Verleihung der Doktorwürde angenommen hat; sie geht von Vermutungen und Unterstellungen aus. In Sachfragen ist die Dissertation zum Teil desorientiert und die Autorin ist überall dort, wo es um Kopfs Ansehen geht, gegen ihn eingestellt.
Frage: Würden Sie sich wünschen, dass die Umbenennung des Platzes rückgängig gemacht würde?
Mahrenholz: Ich weiß, dass es nach dem gegenwärtigen Stand der Entwicklung eine Unmöglichkeit ist.
Gunars Reichenbachs
Redaktion Hannover
Tel:
0511/1612315

Weitere Nachrichten:

SPD | Bundesverfassungsgericht